Mein Kommentar zu Lage der modernen Zünfte

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Vorhin habe ich den sehr interessanten Artikel „Ein Erbe, das man ertragen muss“ von Thomas Knüwer gelesen, der auf dem Handelsblatt-Blog über Notizen aus dem Journalistenalltag bloggt … Claim: „Indiskretion Ehrensache“.

Knüwer schreibt in dem Artikel darüber, wie die versammelte deutsche Presse sich aktionsartig am 23. April zu dem Themenkomplex Urheberrecht, geistiges Eigentum, etc. ausgelassen hat und kommentiert das Ganze dann auch recht beeindruckend.

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, habe ich dann auch noch einen Kommentar hinterlassen. Er ist umfangreicher ausgefallen als geplant. Ich habe darin mal wieder ein paar Gedanken formuliert, die mich schon länger umtreiben. Darum kopiere ich meinen Kommentar auch noch mal hier rein.

Er sollte weitestgehend auch ohne den Kontext des Artikels verständlich sein … der aber trotzdem lesenswert ist. 😉 Nur eine Info zum besseren Verständnis: Frau Gaschke hat bei der Presse-Aktion am 23. April „eine Art Leitartikel“ in der Die Zeit geschrieben, den Thomas Knüwer sehr kritisch sieht.

Aber hier mein Kommentar:

Ich kann es sehr gut verstehen, wenn Menschen wie Frau Gaschke die verbalen Ellenbogen ausfahren, um einen Status Quo am Leben zu halten, der sie zuverlässig ernährt, ihnen ein Dach über dem Kopf ermöglicht, aber auch ein bisschen Luxus ermöglichst bzw. sie am kulturellen Leben teilhaben lässt.

Doch darf dieser Status-Quo-Erhaltungstrieb nicht den Fortschritt aufhalten. Und ich meine hiermit explizit nicht Wachstum und schon gar kein Wirtschaftswachstum. Ich meine Bildung, Aufklärung, (globale) Gerechtigkeit und so weiter.

Doch immer und überall sind es Ertragsmodelle, die diesen Ideen von Fortschritt im Weg stehen. Ein Bestseller-Autor zum Beispiel ist mit etwas Glück für sein Leben lang finanziell abgesichert. Für den so abgesicherten Autor ist das möglicherweise eine Tatsache, die er nicht besonders in den Vordergrund stellen würde. Auch wenn es ihm ermöglicht, sich ggf. mit Haut und Haar in sein nächstes Buchprojekt zu stürzen … ohne Existenz-Ängste. Doch ist diese Erkenntnis auch für weniger begabte Anreiz, sich an ein eigenes Buch-Projekt zu machen. Nicht weil er was zu erzählen hätte. Nur weil dies eine spezielle Art des Lottogewinns ist. Und darum geht es! Wir wollen alle im Lotto gewinnen … wegen der Absicherung also dem Dach überm Kopf, der Brötchen auf dem Frühstückstisch, der Möglichkeit einfach mal ins Kino zu gehen oder auch für den einen oder anderen kleineren Luxus im Leben.

Ähnliches wie bei dem beschriebenen Buchautor kann man auch in der Musikindustrie beobachten. Und darüber hinaus stellt sich dann noch die Frage: Warum wollen so viele leidlich begabte Menschen in Deutschlands Suche nach einem Superstar mitmachen? Ruhm? Ehre? Geld? Ist es nicht schlimm, dass es einen Begriff wie „Musikindustrie“ gibt? Musik ist doch Kunst. Und bei wirklicher Kunst kommt mir selten der Begriff „Fließband“ in den Sinn … daran muss ich aber denken, wenn ich „Industrie“ höre.

Wir müssen wieder mehr dahin, dass weniger „mitverdienen“ … und wenn schon mitverdienen, dann in einem guten Verhältnis. Die Autoren, Künstler, Journalisten usw. sollen den Großteil dessen bekommen, was ihre Werke einbringen. Und weniger die Verlagshäuser und die besagte Musikindustrie. Doch diese etablierten Mitverdiener müssen kritisch betrachtet und ggf. abgeschafft werden. Vor allem, wenn sie den gesellschaftlichen Fortschritt aufzuhalten versuchen. Und um es mal etwas überspitzt zu formulieren: Wir brauchen eine Abwrackprämie für Infrastrukturen, die sich überlebt haben. Wir müssen dahin kommen, dass die Gaschkes dieser Welt sich bequem zurücklehnen können und ihren Lebensabend abgesichert verbringen können. Von mir aus können sie dann gerne von der guten Alten Zeit träumen …

Ein Gedanke zu „Mein Kommentar zu Lage der modernen Zünfte“

  1. Im Rückblick betrachtet, war die Abwrackprämie keine so schlechte Idee. Es wurde ja seinerzeit befürchtet, dass die Absatzzahlen in den Jahren danach einbrechen würden. Das hat sich Dank der sehr guten Absatzzahlen in den USA und vor allem China nicht bewahrheitet. Deutschland ist für die deutschen Autobauer auch nicht mehr der wichtigste Umschlagplatz. Alle erwarten sich von Asien eine neue Blüte.

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