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		<title>Mit den Piraten zur modernen Polis?</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 12:13:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[»Lass mich dein Pirat sein« &#8230; sang Nena in den 1980ern. Heute wollen alle Pirat sein. Na ja, ich weiß, dass ist eine unzulässige Zuspitzung, aber Pirat zu sein, das ist in der Gesellschaft angekommen. Doch was bedeutet es? Als sehr web-affiner Mensch sind mir die Piraten schon länger ein Begriff. Ich kenne sogar einige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>»Lass mich dein Pirat sein« &#8230; sang Nena in den 1980ern. Heute wollen alle Pirat sein. Na ja, ich weiß, dass ist eine unzulässige Zuspitzung, aber Pirat zu sein, das ist in der Gesellschaft angekommen. Doch was bedeutet es?</strong><span id="more-942"></span></p>
<p>Als sehr web-affiner Mensch sind mir die Piraten schon länger ein Begriff. Ich kenne sogar einige Piraten der ersten Stunde. Doch als ein an politischen Inhalten sehr interessiert Mensch, konnte ich mit den Piraten damals nicht viel anfangen &#8230; zu viel Internet, zu wenig Rest. Auch tue ich mich schwer, mich politisch einer Partei zuzuordnen. Aber einer politischen Richtung ordne ich mich schon zu: nämlich links. Wahrscheinlich sogar ziemlich links. Da waren mir die Piraten von Anfang an zu wenig greifbar. Also bin ich kein Pirat?</p>
<p>Inzwischen ist die Piratenpartei auch schon als Thema in unserer Kommune angekommen. Das heißt, einige diskutieren hier hin und wieder am Tisch über dieses Phänomen. Da wurde mir auch schon die Frage gestellt, <em>ob ich denn ein Pirat sei, so wegen diesem ganzen Internet &#8230; und so.</em> Vielleicht &#8230; vielleicht auch nicht. Ein Wähler der Piratenpartei bin ich allerdings bisher noch nicht.</p>
<p>Allerdings gibt es eins, was mich an den Piraten fasziniert &#8230; wenn auch weniger an der Piratenpartei: Piraten scheinen, ob bewusst oder unbewusst, eine der ältesten Formen der Demokratie den Weg zurück in die heutige Zeit zu ebnen: der antiken Polis. In der Wikipedia liest mensch dazu:</p>
<blockquote><p>Als Polis (altgriechisch πόλις pólis ‚Stadt, Staat‘; Plural Poleis von πόλεις póleis) wird gewöhnlich der antike griechische Stadtstaat als städtischer Siedlungskern Stadt (ἂστυ asty) mit einem dazugehörigen Umland (χώρα chōra), dessen Bewohner rechtlich nicht von den Einwohnern des urbanen Zentrums unterschieden waren, bezeichnet. Die typische Polis war eine Bürgergemeinde bzw. ein Personenverband und definierte sich nicht primär über ihr Territorium, sondern über ihre Mitglieder.</p></blockquote>
<p>Und da sind wir auch schon recht schnell bei Hannah Arendt. In einem <a href="http://www.goethe.de/ges/phi/prt/de5927327.htm" title="Goethe-Institut: Hannah Arendt und ihre Wirkung – ein Porträt">Porträt auf der Website des Goethe-Instituts</a> steht über sie zu lesen: </p>
<blockquote><p>[1958] veröffentlicht Arendt [...] ihr wichtigstes politikphilosophisches Werk »Vita activa oder vom tätigen Leben«. Darin kritisiert sie die moderne Gesellschaft, in der die Ökonomie zunehmend die Politik dominiert. [...] In einer Zeit, als man in allen wichtigen politischen Lagern die Demokratie als sozial breitere Legitimation politischer Herrschaft verstand, orientiert sie sich an der antiken Polis, an der die einzelnen Bürger aktiv partizipierten. Politik versteht sie als Kommunikation unter den Bürgern über die öffentlichen Angelegenheiten.</p></blockquote>
<p><strong>Politik als Kommunikation unter den Bürgern und Bürgerinnen über öffentlichen Angelegenheiten.<br />
</strong></p>
<p>Sehe nur ich da einen deutlichen Zusammenhang? Mischen die Piraten unsere etablierte repräsentative Parteiendemokratie gerade auch deshalb so schön auf, weil sie nicht nur den Anspruch auf Basisdemokratie haben, wie es die Grünen in den 1980ern auch hatten, sondern mit dem Internet auch das Werkzeug, um so etwas wie eine moderne Polis zu schaffen?</p>
<blockquote><p>Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.</p></blockquote>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=942&amp;md5=ff8f7d82623bf817974f292d1a9dc3d1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Kaiser muss endlich zugeben, dass er nackt ist</title>
		<link>http://zellmi.de/2012/03/der-kaiser-muss-endlich-zugeben-dass-er-nackt-ist/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Mar 2012 12:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Des Kaisers neue Kleider]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Nackt]]></category>
		<category><![CDATA[Peka Oil]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich sagte jemand sinngemäß zu mir: &#8220;Und irgendwer muss sich hinstellen und sagen, dass der Kaiser nackt ist.&#8221; Recht hatte er! Nur dass das meist nicht ausreicht. Denn wie ich kürzlich aus dem wirklich, wirklich lesenswerten Manuskript einer Rede von Ingo Schulze erfahren durfte, ist es gar nicht die Schlusspointe des Märchens Des Kaisers neue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich sagte jemand sinngemäß zu mir: &#8220;<em>Und irgendwer muss sich hinstellen und sagen, dass der Kaiser nackt ist.</em>&#8221; Recht hatte er! Nur dass das meist nicht ausreicht. Denn wie ich kürzlich aus dem wirklich, <em>wirklich</em> lesenswerten <a title="Ingo Schulze – Unsere schönen neuen Kleider [PDF - 190 KB]" href="https://docs.google.com/viewer?url=http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/SchulzeDresden.pdf&amp;embedded=true&amp;chrome=true">Manuskript einer Rede von Ingo Schulze</a> erfahren durfte, ist es gar nicht die Schlusspointe des Märchens <em>Des Kaisers neue Kleider</em> von Hans Christian Andersen, dass das Kind die nackte Wahrheit über die Selbsttäuschung des Kaisers und seines Hofstaats aussprach &#8230; und damit offenbarte. Nein, das Ende lautet:</p>
<blockquote><p>„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: &#8216;Nun muss ich aushalten.&#8217; Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.</p></blockquote>
<p>So wichtig es also ist, das Offenkundige auch offen und frei auszusprechen, so sehr muss mensch sich anschließend auch darum bemühen, dass den Betroffenen (Entscheidern, Mächtigen,&#8230;) auch ein öffentliches Bekenntnis dazu abgerungen wird. Doch scheint mir das, bei den bis ins Mark hinein verinnerlichten rhetorischen Fähigkeiten und den Vernebelungsautomatismen des wirtschaftlichen und politischen Establishments, die viel größere Barriere für viele durchaus berechtigte Anliegen zu sein.</p>
<p>So sehr es auch weithin bekannt war, dass kein Kernkraftwerk gegen einen Super-GAU gefeit ist, konnten bzw. können die <em>nackten Kaiser</em> dieser Welt immer noch denken: <em>&#8216;Nun muss ich aushalten&#8217;</em>. Auch wenn es klar ist, dass etwa der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peak_Oil" title="Wikipedia - Peak Oil">Peak Oil</a> erreicht, der Klimawandel da und mit Kriegen kein Problem zu lösen ist (im Gegenteil), ebenso sehr verharren die <em>nackten Kaiser</em> bei dem Gedanken <em>&#8216;Nun muss ich aushalten&#8217;</em>.</p>
<p>Und das ist die Herausforderung die vor uns liegt: Wir müssen die Mächtigen dieser Welt dazu bringen, dass sie zugeben, dass sie <em>nackt</em> sind &#8230; im übertragen Sinn.</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=925&amp;md5=e53394e862bf74e7e0c940539462950c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Einmal im Kreis gelaufen: Wir bleiben hier</title>
		<link>http://zellmi.de/2012/02/einmal-im-kreis-gelaufen-wir-bleiben-hier/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 15:34:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Hierbleiben]]></category>
		<category><![CDATA[KoWa]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt eine Methode zum Finden von gemeinsamen Entscheidungen, die sich Systemisches Konsensieren nennt, die statt die Zustimmungen zu den einzelnen Lösungsvorschlägen aufzuaddieren, versucht, den Widerstand gegenüber den einzelnen Vorschlägen zu ermitteln. Im gleichnamigen Buch wird empfohlen, wenn möglich, nicht nur die Neuerungen zur Entscheidung zu stellen, sondern auch die so genannte Null-Lösung. Damit wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine Methode zum Finden von gemeinsamen Entscheidungen, die sich <em>Systemisches Konsensieren</em> nennt, die statt die Zustimmungen zu den einzelnen Lösungsvorschlägen aufzuaddieren, versucht, den Widerstand gegenüber den einzelnen Vorschlägen zu ermitteln. Im <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3980863549/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=zellmi-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3980863549">gleichnamigen Buch</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=zellmi-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3980863549" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> wird empfohlen, wenn möglich, nicht nur die Neuerungen zur Entscheidung zu stellen, sondern auch die so genannte Null-Lösung.<span id="more-914"></span> Damit wird geschaut, ob überhaupt eine Änderung gewünscht wird. Und auch wenn Natali und ich bei der Planung unserer näheren Zukunft diese Methode nicht angewandt haben, sind wir nach einem halben Jahr der reiflichen Überlegung, übereingekommen, die Null-Lösung zu wählen. Heißt: <em>Wir werden in der KoWa bleiben.</em></p>
<p><strong>Wie? Was? Warum denn jetzt das nun wieder?</strong></p>
<p>Nun ja, auch wenn wir damit einmal im Kreis gelaufen sind, und auf unserem Weg viele Pferde scheu gemacht haben, war der Weg schlichtweg notwendig. Er hat mir verdeutlich, wie ich leben möchte und was ich nicht bereit bin, wieder aufzugeben. So ist mir klar geworden, dass ich sehr gerne weiterhin mit (deutlich) mehr als einer Person verbindlich zusammenleben möchte. Zwischenzeitlich war ich mehrfach der Meinung, dass ich auch gut und gerne darauf verzichten könnte. Will ich aber nicht … und Natali auch nicht.</p>
<p>Nachdem wir uns diesen gemeinsamen Wunsch klar gemacht hatten, stellte sich die Frage, wie sich das am besten bewerkstelligen lässt. Da wir inzwischen einige Gemeinschaften und Gemeinschaftsideen kennengelernt haben, war schnell klar, dass wir gerne weiterhin in einer Kommuja-Gemeinschaft leben möchten; also in einer politischen Kommune. Da aber Niederkaufungen nicht in Frage kommt, Natali nicht in den Norden und ich nicht in den Süden ziehen möchte, usw., hat sich die Anzahl der in Frage kommenden Kommunen, recht schnell auf eine gute Hand voll reduziert. Und bei Licht betrachtet, gibt es an jeder der zur Auswahl stehenden Gemeinschaften mindestens irgendeinen Haken: Warum also nicht noch mal der KoWa eine Chance geben?</p>
<p>Ich für meinen Teil, habe in dem halben Jahr, in dem wir uns den einen oder anderen Kopf zerbrochen haben, welchen Weg wir in Zukunft einschlagen wollen, gegenüber der KoWa eine neue Gelassenheit gefunden. Ich habe gemerkt, dass ich hier recht gut leben kann, ohne mir wirklich jeden Schuh anziehen zu müssen. Ich habe inzwischen gelernt, mich auch mal rauszuhalten und den anderen zu vertrauen, dass sie &#8220;<em>das schon machen</em>&#8221; werden. Auch sind in den letzten Monaten wieder drei neue Leute hier eingezogen und weitere stehen konkret vor der Tür. Die KoWa wächst also zur Zeit mal wieder kräftig. Das gefällt mir.</p>
<p>Nun gilt es aber, mich wieder voll auf die KoWa einzulassen: Die Idee für unser Internet-Kollektiv wieder aufzugreifen und in Schwung zu bringen, schauen, was sich an unserem alltäglichen Zusammenleben aufmöbeln lässt und auch der Region noch mal eine Chance zu geben.</p>
<p>Doch mindestens einen Fehler werde ich hoffentlich nicht noch einmal machen: Ich werde das Leben in der KoWa nicht mehr als alternativlos ansehen. Den Druck, den ich mir selbst mit der Idee gemacht habe, hier unbedingt alt zu werden, möchte ich gar nicht mehr aufkommen lassen. Da arbeite ich an einer gewissen Gelassenheit, die ich mir aber auch im Umgang mit anderen vermeintlichen Problemen anzueignen erhoffe.</p>
<p>Nun heißt es, mich wieder richtig auf die KoWa einzulassen und das Beste daraus zu machen. Schritt für Schritt … und nicht mehr wie das Kaninchen vor der Schlange, die ganzen zwischenmenschlichen, aber auch realen Baustellen, als einen unüberwindbaren Berg anzusehen. Wünscht mir … mal wieder … Glück.</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=914&amp;md5=eba922d624387281500310ca4aad5842" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was Kinder und Jugendliche brauchen &#8230;</title>
		<link>http://zellmi.de/2012/02/was-kinder-und-jugendliche-brauchen/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 15:56:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Zitat]]></category>

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		<description><![CDATA[»Was Kinder und Jugendliche brauchen, damit sie später mal als Erwachsene zu einem psychisch durchschnittlich gesunden Menschen werden können, sind zwei Dinge: Liebevolle Zuwendung, auf der einen Seite, und eine Erziehung, die das Kind anhält soziale Regeln einzuhalten, auf der andern Seite.« Joachim Bauer – Autor des Buches Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»Was Kinder und Jugendliche brauchen, damit sie später mal als Erwachsene zu einem psychisch durchschnittlich gesunden Menschen werden können, sind zwei Dinge: Liebevolle Zuwendung, auf der einen Seite, und eine Erziehung, die das Kind anhält soziale Regeln einzuhalten, auf der andern Seite.«</p></blockquote>
<p><span id="more-879"></span></p>
<p>Joachim Bauer – Autor des Buches <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896674374/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=zellmi-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3896674374">Schmerzgrenze: Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=zellmi-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3896674374" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> in der <a href="http://www.sr-online.de/dersr/117/1281831.html" title="SR2 - Fragen an den Autor">SR2 Sendung &#8220;Fragen an den Autor&#8221; am 04. September 2011</a>.</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=879&amp;md5=d63d05519e0cbd79f678d207e180f363" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Unser aller Welt – Beobachtungen, Schlussfolgerungen und … vor allem: Fragen</title>
		<link>http://zellmi.de/2012/02/unser-aller-welt-beobachtungen-schlussfolgerungen-und-vor-allem-fragen/</link>
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		<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 16:18:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es läuft nicht rund in dieser Welt. So nehme ich das zumindest wahr. Zu den vielen allgegenwärtigen Missverhältnissen, gehören die global anzutreffende Ausbeutung von Mensch und Natur, sowie die Krise der Erwerbsarbeit. Denn bekanntlich haben viele Menschen keine Erwerbsarbeitsstelle oder lediglich solche, die ihnen nur ein karges Auskommen beschert. Und von seine Erfüllung im Beruf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es läuft nicht rund in dieser Welt. So nehme ich das zumindest wahr. Zu den vielen allgegenwärtigen Missverhältnissen, gehören die global anzutreffende Ausbeutung von Mensch und Natur, sowie die Krise der Erwerbsarbeit. Denn bekanntlich haben viele Menschen keine Erwerbsarbeitsstelle oder lediglich solche, die ihnen nur ein karges Auskommen beschert. Und von <em>seine Erfüllung im Beruf finden</em>, will ich erst gar nicht sprechen. Auch nehme ich wahr, dass viele wichtige Arbeiten geringgeschätzt, und darum lausig oder gar nicht vergütet werden. Pflege, Erziehung, Kulturarbeit, Erhalt der Infrastrukturen, usw. Dabei ist unsere Produktionseffizienz auf ein ungeahntes Maß angestiegen. Wir produzieren so viel, dass wir sehr viele Menschen damit beschäftigen müssen, die konkurrierenden Angebote an die Konsumenten und Konsumentinnen zu bringen. Ob diese wollen oder (eigentlich) nicht. Ist doch auch eigentlich alles ganz logisch: Denn wir haben ein Gesellschaftssystem, das auf stetigem Wachstum aufgebaut ist. Nur ist stetiges Wachstum in einer endlichen Welt nicht möglich. Eine Tatsache, die vor einigen Jahrzehnten noch ferne Zukunftsmusik zu sein schien, jetzt aber von eine immer größere Relevanz bekommt.</p>
<p>Zugleich gewinnt die digital vernetzte Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Eine Gesellschaft, in der viel produziert, aber relativ wenig direkter Umsatz gemacht wird. Doch Umsatz ist die Grundlage von Gewinn, und Gewinn von Wachstum. Heißt das, dass eine digital vernetzte Gesellschaft wachstums- und damit systemfeindlich ist? Wenn man sich die neusten Entwicklungen rund um die Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität, Gesetzesentwürfe und Handelsabkommen wie ACTA/SOPA/PIPA so anschaut, dann scheint an dieser These durchaus etwas dran zu sein.</p>
<p>Formt mensch den neoliberalen Leitspruch &#8220;<em>Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt</em>&#8221; so um, dass er lautet: <em>Wenn alle für alle sorgen, ist für alle gesorgt</em>, dann ist das Endergebnis das Gleiche; aber das zwischenmenschliche Miteinander ein anderes. Kooperation statt Konkurrenz. Natürlich ist Wikipedia schlecht für die Umsätze des Duden-Verlags. Aber gut für alle Menschen. Wenn also alle dafür sorgen, dass das Wissen der Welt allen zur freien Verfügung steht, dann ist für alle gesorgt. Natürlich kann heute nicht mehr Verona Pooth, ehem. Feldbusch, wie selbstverständlich davon ausgehen, dass wenn sie eine Platte aufnimmt, dass sie dadurch ihren Reichtum mehren kann. Talentierte Leute können via Youtube bekannt werden, aber nicht mehr wie selbstverständlich davon ausgehen, dass sie mit einem Hit für ihr Leben ausgesorgt haben. Von Musik leben, ist in der Breite wieder erstaunlich arbeitsintensiv geworden. Da muss ein Künstler, eine Künstlerin, schon auch auf ihr so genanntes geistiges Eigentum acht geben … lassen. Nicht mal unbedingt weil es <em>künstlerisch</em> gestohlen werden könnte, sondern weil andere, auf Basis der eigenen künstlerischen Arbeit, sich was vom Kuchen abschneiden … könnten. Wäre es nicht toll, wenn Künstler und Künstlerinnen, sowie Kulturschaffende im Allgemeinen, sich per se frei von solch einem Konkurrenzdenken machen könnten? Wenn grundsätzlich für ihr Auskommen auf eine Art und Weise gesorgt wäre, dass sie nicht nur genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und genügend Kleidung hätten, sondern auch am gesellschaftlichen Alltag teilhaben könnten? Wäre das nicht gar für alle Menschen erstrebenswert?</p>
<p>Jedoch baut unser gesellschaftliches Zusammenleben auf Konkurrenz auf. Es ist die Konkurrenz um etwas, das eigentlich im Überfluss da, aber schlichtweg ungleichmäßig verteilt ist. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Occupy_Wall_Street" title="Wikipedia - Occupy Wall Street">Occupy-Bewegung spricht</a> immer von 99 Prozent … von &#8220;<em>99 Prozent der Bevölkerung, die nicht länger die Gier und Korruption von 1 Prozent der Bevölkerung hinnehmen wird</em>&#8220;.</p>
<p>Doch sind es nicht nur die Gierigen dieser Welt, die unser ungerechtes System aufrecht erhalten? Nein. Es sind auch alle die, die daran mitarbeiten, dass <a href="http://youtu.be/rX_y11vgb4E" title="Youtube - Kaufen für die Müllhalde (Doku)">Produkte nicht robust und nach den Kriterien der Nachhaltigkeit produziert werden</a>, sondern einen eingebautes Verfallsdatum haben. Es sind auch die Menschen, die stetig daran arbeiten, dass wir irgendwelchen Moden hinterher rennen und Produkte, die ihre angedachte Funktion noch zuverlässig erfüllen, unbedingt durch neuere, schickere ersetzen müssen. Es sind aber vor allem die Menschen, die die Politik und die öffentliche Meinung dahingehend manipulieren, dass für ihrer Auftraggeber ein Vorteil entsteht; ohne dabei die Folgen für das Gemeinwohl im Auge zu haben.</p>
<p>Ich habe beobachtet, dass die Begriffe <em>Wachstum</em> und <em>Fortschritt</em> gerne mal synonym verwendet werden. Ein schlimmer Denkfehler. Für mich wäre es ein echter Fortschritt, wenn Autos länger halten und keine Emissionen in die Umwelt abgeben würden; und es generell weniger davon gäbe. Es wäre ein echter Fortschritt, wenn  jedes Haus mit dafür geeigneten Dachflächen die Energie der Sonne zur Strom- und Wärmegewinnung nutzen würde. Es wäre ein echter Fortschritt, wenn alle Menschen vornehmlich Lebensmittel aus ihrer Region in echter Bio-Qualität konsumieren würden. Es wäre ein echter Fortschritt, wenn unsere Kleidung lange hält und nicht am anderen Ende der Welt von Quasi-Skalven hergestellt würde. Und nicht zuletzt wäre es ein echter Fortschritt, wenn bisher schlecht oder unbezahlte Arbeit honoriert würde und mensch sich nicht mehr verschulden muss, &#8220;<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/eurokrise-und-vergib-uns-unsere-schulden-11527296.html" title="FAZ - Und vergib uns unsere Schulden "><em>um ein Leben zu leben, das mehr ist als bloßes Überleben</em></a>.&#8221;</p>
<p>Das letzte Zitat stammt von David Graeber und ist aus seinem Buch <em>Debt</em>. Darin geht es um Schuld und Schulden. Graeber resümiert darin auch: &#8220;<em>Schulden sind im Kern ein moralisches Prinzip und eine moralische Waffe &#8211; vielleicht, nach der Travestie von Menschenrechtspolitik, die letzte, die unhinterfragt zu existieren scheint</em>.&#8221; Schulden sind aber auch ein Versprechen, sowohl der Schuldnerin oder des Schuldners an die Gläubigerin bzw. den Gläubiger, wie auch an das System. Wer einen Kredit vergeben kann, ist in einer moralischen Spitzenposition. Egal, ob die Rückzahlung der Schulden die soziale Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander drückt. Ist doch klar, dass der gesellschaftliche Unmut angefacht wird, wenn es nur mit extremen persönlichen Einschränkungen und ausreichend Demutsbekundungen möglich ist, sich zum Beispiel mittels einer Privatinsolvenz von seinen Schulden zu befreien, aber auf der anderen Seite Banken mit ihren irrealen Schulden einfach als systemrelevant bezeichnet und mit staatliche Geldern gerettet werden. Das etwa ein Unternehmen systemrelevant ist, wird auch mit dem englischen Ausdruck <em>too big to fail</em> beschrieben … zu groß, um zu scheitern. Wenn es aber zu groß ist, um zu scheitern, dann ist es doch vor allem eines: zu groß. Sollten wir nicht zusehen, dass deutlich weniger Menschen irgendwo in einer Schuld stehen? Wie kann eine Gesellschaft sozial gesund sein, wenn ihr so viel Schuld auferlegt ist?</p>
<p>Einen weiteren wichtigen Begriff hatte ich mir noch aufgespart: Freiheit. Es gibt diesen in diversen Ausprägungen. Besonders wichtig erscheint mir die Bewegungsfreiheit. Warum leben wir nicht in einer Welt, in der jeder Mensch auf diesem Planeten in jede beliebige Region gehen kann? Nicht weil <em>die</em> uns ja die Kaufhäuser und Supermärkte leerkaufen würden. Nein, die würden uns unsere Arbeit und unseren Wohlstand wegnehmen. Laut der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_Treibel" title="Wikipedia - Annette Treibel">Soziologin Annette Treibel</a> lebten &#8220;<em>am Ende des 20. Jahrhunderts nach Schätzungen weltweit über 100 Millionen Menschen nicht dort, wo sie geboren sind.</em>&#8221; Das sind keine zwei Prozent der Menschheit. Woran mag das liegen, dass es kaum zwei Prozent der Menschen auf diesem Planeten sind, die es in eine Gegend gezogen hat, in der es sich besser als in ihrer Heimat leben lässt? Mir fallen dafür zwei Erklärungen ein: Zum einen können einige nicht dorthin gehen, wohin sie gerne gehen würden, und zum anderen wollen sie gar nicht woanders hingehen. Denn meiner Ansicht nach ist es durchaus eine große Hürde, einen Kulturkreis, eine Heimat zu verlassen. Nichtsdestotrotz: Wenn jemand das gerne tun mag, sollte diese Person dies auch tun können? Erst recht, wenn sie für sich das Gefühl hat, dies tun zu müssen.</p>
<p>Eine gesetzlich und gesellschaftlich etablierte Bewegungsfreiheit aller Menschen, ist zudem auch eine Grundvoraussetzung für so etwas wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Würde etwa Deutschland, die Eurozone oder die EU ein solches Bedingungsloses Grundeinkommen einführen, dann bestünde die Gefahr, dass die Ausbeutung so genannter <em>illegaler</em> Einwanderer und Einwanderinnen als ökonomisch abhängige Arbeitskräfte massiv zunehmen würde. Dem ließe sich nur dadurch vorbeugen, dass niemand mehr irgendwo illegal leben könnte, weil mensch das Kredo &#8220;<em>Kein Mensch ist illegal … nirgendwo</em>&#8221; zur Realität gemacht hat. Das ist mit der Prämisse, eine auf wirtschaftliche Konkurrenz optimierte Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten zu wollen, natürlich nicht möglich. Zunächst muss die Diskrepanz zwischen Arm und Reich stark reduziert werden … global. Das bedeutet nicht nur, finanzielle Umverteilung und allen Menschen ein menschenwürdiges Auskommen zu garantieren, sondern auch ein Umdenken darin, was als Arm und was als Reich bewertet wird. Hier kann es unmöglich weiterhin darum gehen, dass Menschen mit übermässig viel Kapital per se als reich gelten. Ist die Unterteilung in Arme und Reiche, anhand ökonomischen Kriterien, nicht genau so eindimensional gedacht, wie die Unterteilung der Menschen in Schwarze, Gelbe, Rote und Weiße … also fast schon rassistisch?</p>
<p>Ferner frage ich mich, wie es ethisch auch nur ansatzweise vertretbar ist, was Unternehmen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto#Kontroversen" title="Wikipedia - Monsanto: Kontroversen">Monsanto so treiben</a>? Dieser Konzern produziert nicht nur einfach Saatgut und Unkrautbekämpfungsmittel, sondern sorgt als Quasi-Monopolist nicht nur in vielen Entwicklungsländern für unglaublich menschenunwürdige Zustände. So ist es bspw. Landwirten vertraglich untersagt, bei Ernte- oder Ertragsausfällen gegen Monsanto zu klagen. Die verbieten doch tatsächlich Menschen, die sie zuvor in eine Abhängigkeit getrieben haben, gegen sie zu klagen! Schaut mensch mal in die <a href="http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger" title="Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - Deutsch">Allgemeine Erklärung der Menschenrechte</a>, dann &#8220;<em>hat [jede und jeder] Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die seine ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.</em>&#8221; Jeder Mensch muss also zumindest klagen dürfen; ob er oder sie schlussendlich recht bekommt, muss dann das Gericht entscheiden. Gibt es wirklich Länder, in denen ein solches Vertragswerk nicht sittenwidrig, und damit nichtig ist? Aber scheinbar haben solche Unternehmen und ihre Lobbyverbände, einige Länder ganz gut im Griff. Auf eine durchaus als pervers zu bezeichnende Art und Weise, wie das Beispiel Neuseeland zeigt. Dort wurde nämlich auf Betreiben von Lobbyverbänden, hinter denen u.a. Monsanto steht, ein Gesetz verabschiedet, das u.a. den Anbau eigener Nahrungsmittel genehmigungspflichtig macht! Und … der Begriff <em>Nahrungsmittel</em> wurde dabei auch auf die Vorprodukte (wie Saatgut) und Getränke (auch Wasser!) ausgedehnt, und somit der Kontrolle unterworfen. </p>
<p>Letzte Frage: In was für einer Welt leben wir eigentlich?</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=870&amp;md5=54d5a75506c9e7d2e123a2ac305a7d42" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ertragbare Utopie gesucht – biete umfangreiche Erfahrungen im Scheitern</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 22:41:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht nur der Plan für den Januar, sondern sogar der für die kommenden Monate, wenn nicht gar Jahre oder Jahrzehnte, hatte sich schon nach gut einem Tag in der Kommune Niederkaufungen wieder erledigt. Unsere Probezeitanträge dort sind zurückgezogen und wir wieder in der KoWa. Was ist passiert? Natali ist schon mit einem eher schlechten Gefühl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nicht nur der Plan für den Januar, sondern sogar der für die kommenden Monate, wenn nicht gar Jahre oder Jahrzehnte, hatte sich schon nach gut einem Tag in der Kommune Niederkaufungen wieder erledigt. Unsere Probezeitanträge dort sind zurückgezogen und wir wieder in der KoWa. Was ist passiert?</strong><span id="more-858"></span></p>
<p>Natali ist schon mit einem eher schlechten Gefühl nach Niederkaufungen gereist, und nachdem es schnell immer schlechter wurde, hatten wir zu reden. Was wir dann auch ausgiebig taten. Das Ergebnis, dieser Gespräche ist, dass Natali nicht in der Kommune Niederkaufungen leben möchte &#8230; und ich ohne sie auch nicht.</p>
<p>Kurz zusammengefasst, befürchtet Natali, sich in dieser, mit über 80 Menschen recht großen Kommune, im Alltag nicht genügend gegen die vielen Eindrücke und Allgegenwärtigkeiten abgrenzen zu können. Diese Gruppengröße überfordert sie im tägliche Dasein.</p>
<p>Da sie also nicht in dieser einen, und ich nicht in der anderen Kommune leben möchte, muss nun ein neuer Plan her. Die erste Idee: Es gibt ja mehr als nur zwei Kommunen auf der Welt, vielleicht gibt es da ja noch eine, auf die wir uns beide einigen können? Hier steckt der Teufel im Detail, und das war in der Diskussion nur allzu oft der geografische Ort, an dem die in Frage kommenden Gemeinschaften liegen. Natali zieht es eher in den Süden Deutschlands, mich eher in den Norden. Also stellten wir uns die Frage, an welchem Ort bzw. in welcher Region würden wir denn beide leben wollen?</p>
<p>Für die, die uns etwas kennen, ist die Antwort wahrscheinlich gar nicht so überraschend: Es ist der Raum Gießen/Marburg. Dort haben wir beide uns kennengelernt, dort haben wir studiert und viele Freunde/Bekannt; ich sogar Verwandte. Im Bezug auf diese Region haben wir ein souveränes Gefühl, welches in Richtung &#8220;Zuhause&#8221; geht.</p>
<p>Doch gibt es dort keine uns bekannte Kommune. Es gibt Gemeinschaften, die aber (oft?) einen spirituellen Hintergrund haben, und damit für uns beide überhaupt keine Thema sind. Was also nicht ist, muss werden. Darum werden wir nun schauen, ob wir nicht im Raum Gießen/Marburg ein eigenes Projekt starten können. Dazu planen wir, mit Freunden wieder in die Region zu ziehen und dann mal schauen, was sich da so auf die Beine stellen lässt. Nach dem aktuellen Diskussionsstand, wird es wahrscheinlich keine Kommune, wie die KoWa oder Niederkaufungen, doch sollte das neue Projekt schon eine gemeinschaftlichen Ansatz haben. Ich will es auch weiterhin nicht wahrhaben, dass es ein so erstrebenswertes Ziel ist, sich immer mehr zu Individualisieren und zu Privatisieren, sich dem Konsum- und Konkurrenzdenken unreflektiert zu ergeben und ein nachhaltiges Dasein immerzu einzufordern, es aber selbst nicht zu leben.</p>
<p>Auf der anderen Seite, scheine ich meinen eigenen Ansprüchen nicht in der Form genügen zu können, dass ich in Gemeinschaftsstrukturen leben kann, welche die privaten Hoheitsgebiete, im Kern auf ein Zimmer reduzieren. Zum etwas gemeinsam Nutzen, gehört eine gemeinsame Ordnung, welche im Alltag über ein &#8220;Das Chaos organisiert sich von selbst&#8221; hinausgeht. Wenn mensch zum x-ten Mal mehrfach durch ein wirklich großes Haus gelaufen ist, weil man einen Hammer sucht, neigt mensch dazu, sich einen eigenen … privaten … Hammer zu kaufen. Und schon hat es sich mit der Nachhaltigkeit, der Konsumkritik und dem &#8220;Nutzen statt Besitzen&#8221;.</p>
<p>Wie mir aber im vergangenen Jahr ein Gemeinschaftsforscher glaubhaft versicherte, ist der Mensch in größeren Zusammenhängen nur schwerlich in der Lage, eine für alle Beteiligten annehmbare und nicht auf Hierarchien beruhende Ordnungsstruktur zu leben. Womit der Punkt, dass es sich in einer Kommune nachhaltiger leben lässt, etwas ins Wanken gerät. Aber nur etwas. Untersuchungen, die in der Kommune Niederkaufungen durchgeführt wurden, zeigen, dass der Ökologischer Fußabdruck der dort lebenden Menschen im Bundesvergleich unterdurchschnittlich ist. In Gemeinschaft leben ist also nachhaltiger, wenn auch nicht so nachhaltig, wie es sein könnte.</p>
<p>Doch was will ich … was wollen wir nun? Ich will nicht nur für mich als Individuum bzw. als Paar gut leben, sondern ich will auf eine Weise gut leben, die es ermöglicht, die Ressourcen unserer Welt, aber auch meine Nerven zu schonen. Ich will eine ertragbare Utopie. </p>
<p>Der nächste Versuch wird somit in die Richtung gehen, gemeinsam mit bis zu einem Dutzend Menschen ein Hausprojekt zu starten, und dabei einen Spagat hinzubekommen, zwischen, nachhaltiger als der Durchschnitt leben und doch ein gewisses Maß an Eigenmächtigkeit jenseits eines allgegenwärtigen Konsens zu bewahren.</p>
<p>Für mich sind das alles recht neue Überlegungen. In den vergangenen Jahren habe ich mich doch sehr viel mit dem Gemeinschaftskonzept der Kommunen beschäftigt. Das jetzt so zu sehen, hat für mich auch etwas den Beigeschmack eines persönlichen Scheiterns. Was natürlich nicht stimmt. Ich habe Erfahrungen gesammelt und dabei u.a. festgestellt, dass ich gewisse Dinge, die mit dem Kommuneleben einhergehen, nicht so gut aushalten kann, wie es andere tun. Doch heute weiß ich das. Hätte ich es nicht gewagt, in die KoWa zu ziehen, wüsste ich das nicht, und würde diesem Ideal wohl immer noch hinterherhängen. Das wäre schlimmer, als diese vermeintliche Scheitern.</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=858&amp;md5=4aafc4042ba7cd841f88b2a5fe8bd1b5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Alles läuft nach Plan &#8230; den ich nicht hab</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 18:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kommune Niederkaufungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2011 nähert sich seinem Ende. Die Jahresendzeit-Stressigkeiten stehen demnächst an und unsere Suche nach einem Ort zum Leben macht solange mehr oder weniger Pause. Aber der Reihe nach&#8230; Im August war für uns klar, dass wir aus der KoWa wieder aussteigen werden. Die erste Idee war, dem Kommune-Leben wieder Lebewohl zu sagen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2011 nähert sich seinem Ende. Die Jahresendzeit-Stressigkeiten stehen demnächst an und unsere Suche nach einem Ort zum Leben macht solange mehr oder weniger Pause. Aber der Reihe nach&#8230;</p>
<p>Im August war für uns klar, dass wir aus der KoWa wieder aussteigen werden. Die erste Idee war, dem Kommune-Leben wieder Lebewohl zu sagen und zuzusehen, was sich von den Ideen des Gemeinschaftslebens in ein Leben mit weniger Gemeinschaft hinüberretten lässt. Doch nach intensiver Beschäftigung mit den Alternativen zum alternativen Leben, haben wir uns entschieden, die Idee vom Gemeinschaftsleben doch noch nicht so schnell wieder fahren zu lassen.</p>
<p>Nach reiflicher Beschäftigung mit den Möglichkeiten, haben wir uns entschieden, einen Probezeitantrag in der <a href="http://www.kommune-niederkaufungen.de/" title="Kommune Niederkaufungen">Kommune Niederkaufungen</a> zu stellen. Dies ist eine der größten unter den politischen Kommunen in Deutschland und gibt uns die Chance in einer Großkommune leben zu können, ohne diese erst noch aufbauen zu müssen. Niederkaufungen liegt ganz in der Nähe von Kassel, also gar nicht mal so weit weg von Waltershausen.</p>
<p>Nachdem dort Anfang Dezember unsere Anträge auf Probezeit ausgehängt wurden, sind wir in unserem Einstiegsprozess gerade in der Phase der WG-Gespräche. Die Menschen in der Kommune Niederkaufungen leben vornehmlich in WGs, und dadurch in wesentlich stärkeren Bezugsgruppen als in der KoWa. Wir hoffen, dass wir unsere WG-Gespräche im Januar alle führen und dann im Anschluss dort eine Probezeit beginnen können. Letzteres hängt natürlich sehr davon ab, ob die jetzt schon dort lebenden Menschen es sich vorstellen können, dass wir dort eine solche Probezeit machen können. Und das selbstverständlich im Konsens; d.h. alle müssen sich das vorstellen können. Ich bin da aber recht optimistisch.</p>
<p>Jetzt kommen aber erst einmal Weihnachten und Silvester und dann geht es aktiv weiter mit dem Weichenstellen. Drückt uns die Daumen, dass das mit der Probezeit klappt &#8230; der Rest wird sich dann schon finden ;-)</p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=852&amp;md5=dc84aed1b9900b9e8757f87f2e4df61a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Occupy future</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 17:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern Abend hörte ich den sehr empfehlenswerten NDR-Kultur-Podcast Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft von Harald Welzer aus der Reihe Gedanken zur Zeit. Beim Hören kam mir in Anlehnung an die aktuelle Occupy-Bewegung der Slogan »Occupy future« in den Sinn. Nachdem mich der Spruch seitdem nicht mehr losgelassen hat, kam ich auf die Idee [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-833" title="Occupy future" src="http://zellmi.de/wp-content/uploads/2011/10/occupy_future_240.png" alt="" width="240" height="240" /> Gestern Abend hörte ich den sehr empfehlenswerten NDR-Kultur-Podcast <a title="NDR Kultur: " href="http://www.ndr.de/ndrkultur/audio90109_podcast-gzz162.html" target="_blank">Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft</a> von Harald Welzer aus der Reihe <em>Gedanken zur Zeit</em>. Beim Hören kam mir in Anlehnung an die aktuelle Occupy-Bewegung der Slogan <strong>»Occupy future«</strong> in den Sinn.</p>
<p>Nachdem mich der Spruch seitdem nicht mehr losgelassen hat, kam ich auf die Idee nach dem <em>Atomkraft &#8211; Nein Danke!</em> Vorbild eine entsprechende Grafik zu erstellen. Und wie es sich für einen richtigen Web-Fuzzy gehört, habe ich ihn auch gleich in mehreren Versionen produziert und das Ganze auf eine entsprechende Webseite gepackt:<br />
&raquo; <strong><a title="Occupy future" href="http://zellmi.de/occupy-future" target="_blank">zellmi.de/occupy-future</a></strong>.</p>
<p>Zudem habe ich das Motiv auch bei Spreadshirt eingestellt und schon mal Buttons (<a title="Spreadshirt: Occupy future - 25mm Buttons - 5er Pack" href="http://365202.spreadshirt.de/buttons-klein-25-mm-A17850202/customize/color/1" target="_blank">25mm</a> und <a title="Spreadshirt: Occupy future - 32mm Buttons - 5er Pack" href="http://365202.spreadshirt.de/buttons-mittel-32-mm-A17850211/customize/color/1" target="_blank">32mm</a>) konfiguriert; ich verdiene daran übrigens nix.</p>
<p>Die Weitergabe und nicht-kommerielle Verwendung der Grafik <strong>»Occupy future«</strong> ist explizit erwünscht. Also: Holen wir uns unsere Zukunft, und die unseres Planeten von den Mächtigen, Gierigen und Despotischen zurück &#8230; <em>Occupy future!</em></p>
 <p><a href="http://zellmi.de/?flattrss_redirect&amp;id=832&amp;md5=98a2a983d8a96c7602fe7974171ba361" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zellmi.de/wp-content/plugins/flattrss/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Mann im Waschmaschinen-Raum</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 14:15:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Laut der Anleitung unserer einen Waschmaschine, dauert das Eco-Waschprogramm bei 40°C 135 Minuten. Nachdem ich die Maschine mit meiner Wäsche um 13:05 Uhr gestartet hatte, ging ich um 15:20 Uhr hinunter in den Waschmaschinen-Raum im Erdgeschoss, um dort auf einen mir unbekannten alten Mann zu treffen, der gerade meine Wäsche aus der Maschine geholt hatte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Laut der Anleitung unserer einen Waschmaschine, dauert das Eco-Waschprogramm bei 40°C 135 Minuten. Nachdem ich die Maschine mit meiner Wäsche um 13:05 Uhr gestartet hatte, ging ich um 15:20 Uhr hinunter in den Waschmaschinen-Raum im Erdgeschoss, um dort auf einen mir unbekannten alten Mann zu treffen, der gerade meine Wäsche aus der Maschine geholt hatte.</p>
<p>Auf Nachfrage erklärte es mir, dass er seine Wäsche waschen würde. Es ist in unserer Kommune durchaus denkbar, dass Teile unserer Infrastruktur von FreundInnen des Hauses mitgenutzt werden. Und auch wenn ich ihn nicht kannte, wäre es schon möglich gewesen, dass ihm jemand anderes erlaubt hätte, seine Wäsche bei uns zu waschen. Nur war es schlichtweg nicht seine Wäsche, die er gerade in den Wäschekorb getan hatte, sondern meine.</p>
<p>Ich fragte ihn mehrfach, was er hier wolle und da er mir vornehmlich einen etwas verwirrten Eindruck machte, habe ich ihn unter dem Hinweis, dass er hier in einem privaten Gebäude ist, so freundlich wie möglich aus dem Haus und vom Gelände verwiesen. Er ist dann auch ohne jegliche weitere Diskussion gegangen.</p>
<p>Daraufhin bin ich dann in unsere Küche gegangen, da ich von dort aus durch das Fenster beobachten konnte, ob er auch wirklich vom Gelände gehen würde. Was er auch tat. Als ich gerade wieder zu meiner Wäsche gehen wollte, kam dann unserer neuster Mitkommunarde herein und fragte mich: »Du sag mal, kennst du einen älteren Mann, der bei uns sein Wäsche wäscht?«</p>
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		<title>Was haben Internet und Kommune gemeinsam?</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 14:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zellmi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitale Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Hierarchiefreiheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bin ein in einer Gemeinschaft lebender Informatiker. Beides ist mir nicht unbedingt in den Schoss gefallen; und der zu beschreitende Weg, der mich dies heute resümieren lässt, war alles andere als geradlinig. Ich habe auf diesem Weg vieles kennen und oft auch schätzen gelernt, doch ist mein höchster Bildungsabschluss der eines Diplom-Informatikers und auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich bin ein in einer Gemeinschaft lebender Informatiker. Beides ist mir nicht unbedingt in den Schoss gefallen; und der zu beschreitende Weg, der mich dies heute resümieren lässt, war alles andere als geradlinig. Ich habe auf diesem Weg vieles kennen und oft auch schätzen gelernt, doch ist mein höchster Bildungsabschluss der eines Diplom-Informatikers und auch lebe ich heute in einer Kommune. Das bringt mich zu der Frage, was gerade diese beiden gemein haben? Warum Informatiker? Und warum Kommune?</strong></p>
<p>Eigentlich war ich bis Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts auf bestem Wege Ingenieur zu werden. Mein Vordiplom im Fachbereich Energie- und Wärmetechnik hatte ich bereits in der Tasche. Dann passierten innerhalb weniger Monate ein paar entscheidende Dinge: Zunächst entdeckte ich das Internet, dann geriet ich in eine Protestwelle gegen untragbare Studienbedingungen und in deren Folge in eine verantwortliche Position der Studierendenvertretung meiner Fachhochschule. Für diese Aufgabe lies ich sogar mein Studium ruhen. Dieses Intermezzo gepaart mit der Erkenntnis, dass es mir leicht fiel mit dem Internet und am World Wide Web (WWW) zu arbeiten, lies mich dann kurzerhand mein Energie- und Wärmetechnik-Studium abbrechen und ein Informatik-Studium beginnen; als Mittel zum Zweck. Denn ich wollte nicht Informatiker werden, um klassische Software zu entwickeln, ich wollte das Internet mit weiterentwickeln. Somit war es, genau genommen, das Internet, dass mich die Energie aufbringen lies, ein Informatik-Studium abzuschließen.</p>
<p>Was haben also Internet und Kommune gemeinsam? Bei genauer Betrachtung Grundlegenderes als man zunächst denken mag. Eine Kommune ist eine Gemeinschaft. Der Duden definiert Gemeinschaft u.a. erstens als <em>das Zusammensein, -leben in gegenseitiger Verbundenheit</em> und zweitens als <em>Gruppe von Personen, die durch gemeinsame Anschauungen o. Ä. untereinander verbunden sind</em>. Hinzu kommt bei einer Kommune, dass diese Zusammenleben frei von Hierarchien sein soll. Denn Hierarchien sind meist mit Verhältnissen von Herrschaft und Autorität verbunden. Die Grundlage von Herrschaft ist Gehorsam, also prinzipiell das Befolgen von Geboten oder Verboten. In einem System von Herrschaft und Gehorsam sind die Menschen nicht frei und nicht gleich. Dabei heißt es in der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im ersten Artikel: <em>»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.«</em></p>
<p>Bei Betrachtung des Internet als ein Netzwerk von Netzwerken, welche, wie ihre Knotenpunkte, durch die Anwendung des Internetprotokolls (IP) untereinander verbunden sind, lassen sich durchaus Parallelen zu den Definitionen für Gemeinschaft ziehen. Jeder Knoten ist in einem solchen System im übertragenen Sinn selbst dafür verantwortlich, dass er an diesem weltweiten Netzwerk teilhaben kann. Ein genau definiertes Protokoll (TCP/IP) bildet dazu die Grundlage; und auf dieser einen Basis sind dann die vielen und vielfältigen Dinge möglich, wie sie für immer mehr Menschen tagtäglich nutzen, verrichten oder konsumieren. Beispiele hierfür sind das WWW, E-Mail, Telefonie oder Radio und Fernsehen.</p>
<p>Eine Gemeinschaft wie etwa eine Kommune ist vom Prinzip her auch eine Netzwerk von Menschen; die im Detail zum Teil sehr unterschiedliche Dinge tun können, aber in einem sich aufeinander beziehenden Rahmen. Damit dieser Rahmen bzw. das System nicht gesprengt wird, also stabil ist, muss das Zusammenspiel in einer solchen Gemeinschaft funktionieren. Dazu ist es hilfreich, dass grundlegende Absprachen getroffen werden, die sich in der Summe auch als Protokoll bezeichnen lassen können. Wie zuvor angedeutet, fehlt es einem System an Hierarchiefreiheit, bei dem diese Absprachen zentral oder von Außen überwacht werden. Daraus folgt, dass diese Absprachen von jedem Knoten des Netzwerks, also bei einer Gemeinschaft, von jedem Gruppenmitglied mitgetragen und im Zusammenwirken als Gruppe bzw. Gruppenbestandteil eingehalten werden müssen. Die Motivation einer Person, Teil eines Gemeinschaftsnetzwerks zu sein, muss somit intrinsisch sein; also ihrer selbst willen bzw. aus sich heraus. So sind dann auch im Rahmen einer solchen hierarchiefreien Gemeinschaft ebenfalls viele und vielfältige Dinge möglich.</p>
<p>Das Internetprotokoll bildet als technische Basis für die Teilhabe an den Diensten des Internets  eine zentrale und wichtige Rolle, derer sich die wenigsten seiner Nutzenden im tägliche Umgang damit bewusst sind. Doch spielt es für den Vergleich von hierarchiefreien Gemeinschaften und IP-basierten Netzwerken nur eine untergeordnete Rolle, ob sich die Nutzer und Nutzerinnen bewusst sind, dass es so etwas wie ein Internetprotokoll gibt. Es ist diesbezüglich viel relevanter, dass die von ihnen genutzte Software, nur deshalb als Internet-Knotenpunkte funktionieren, weil sie von sich aus die Verabredung namens Internetprotokoll einhalten. Darauf sind  sie programmiert. Andere Bezeichnungen für Programm sind Manifest bzw. Grundsatzerklärung.</p>
<p>Eine Grundsatzerklärung ist für eine hierarchiefrei lebende Gemeinschaft ebenso das Fundament gemeinsamen Zusammenlebens, wie das Internetprotokoll das Fundament für die Nutzung des Internets ist. Sie bildet grundlegende Absprachen ab, auf deren Einhaltung sich alle Gruppenmitglieder prinzipiell verlassen können und die sie unüberprüft von sich aus einhalten. Darauf muss sich jedes Mitglied verlassen können, damit sich alle Gruppenangehörigen vertrauen können. Durch von allen Mitgliedern intrinsisch gelebte Grundsätze bekommt die Gruppe Halt und die einzelnen Menschen Sicherheit. Weiter bilden sie in erster Linie das Fundament einer Gemeinschaft und können somit für den Alltag Richtschnur sein. Optimalerweise gibt eine Grundsatzerklärung als Fundament Halt und Sicherheit, ist jedoch als Richtschnur flexibel. D.h. wirklich Grundlegendes ist nicht leicht veränderbar; den Alltag prägen flexiblere Handhaben. Zusammen bilden Grundlagen und Handhaben einen verlässlichen, aber undogmatischen Rahmen für das Zusammenwirken von Gruppen.</p>
<p>Wichtig ist hierbei, dass jedes Gruppenmitglied aus freien Stücken Teil der Gemeinschaft und der internen und externen Prozesse ist. Die Teilnahme von einzelnen Menschen oder Untergruppen an Gruppenprozessen ist optimalerweise immer transparent. So wissen die anderen Mitglieder immer, wer aktuell gerade einem Prozess teilnimmt bzw. daran interessiert ist. Dies dient der Vertrautheit bzw. Verbundenheit, die als Basis für eine Zuverlässigkeit unabdingbar ist. Wissen alle an Gruppenprozessen Beteiligten um die intrinsische Motiviertheit der jeweils anderen, so ersetzt dieses Vertrauen Kontrolle. Hierarchiefreie Gemeinschaften werden also durch Vertrauen, Zuverlässigkeit und beiderseitig bewussten Zugehörigkeitswillen geprägt; und da es sich um eine Netzwerk von Menschen handelt, und nicht von Computersystemen, ist zudem gegenseitiges Wohlwollen von großer Bedeutung, damit ein undogmatisches und bedürfnisorientiertes Zusammenleben möglich ist.</p>
<p>Nach dieser näheren Betrachtung von Internet und Kommune, ist es bei all den gefundenen Parallelen nicht weiter verwunderlich, dass gerade diese beiden Themenkomplexe für mich von so großer Wichtigkeit geworden sind. Und dies sogar ohne die Entwicklung des Internets und der es weiterentwickelnden Internet Society als gemeinnützige Organisationsform anzuführen, welche erstaunlicherweise, trotz ihrer weltwirtschaftlichen Bedeutung, grundsätzlich erhalten werden konnte.</p>
<p>Als Abschluss dieser Betrachtungen möchte ich noch zwei Zitate anführen. Ersteres ist vom  türkischer Dichter <em>Nâzım Hikmet</em> und das zweite wird <em>Konfuzius</em> zugeschrieben:</p>
<blockquote><p>»Leben, einzeln und frei wie ein Baum, und geschwisterlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht.«</p></blockquote>
<blockquote><p>»Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen.«</p></blockquote>
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