Wer baut den Betonmantel?

Seit ich vor einiger Zeit im NDR die Dokumentation Die Atomlüge gesehen habe, treibt mich die darin gestellte Frage um:

Wer würde im Falle eines Super-GAUs in einem deutschen Kernkraftwerk den Betonmantel bauen?

In Tschernobyl hat die Regierung der Sowjetunion so genannte Liquidatoren für diese Arbeit herangezogen. Aber die Sowjetunion hatte völlig andere Machtstrukturen als wir in Deutschland. Und vor allem stand nicht an allererster Stelle in ihrer Verfassung:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Also? Wer würde den Betonmantel bauen? Der in Tschernobyl wird übrigens Sarkophag genannt …

11 Gedanken zu „Wer baut den Betonmantel?“

  1. Ich weiß nicht, ob ich die Frage eigentlich zu Ende denken möchte. Logisch wäre ja sowas wie das THW, die Feuerwehr / Bundeswehr.

    Also WENN das Teil einer bauen sollte, dann wäre ich für alles Soldaten Ü-50.

    Pfui.

  2. Der Einsatz von Soldaten im Inland ist jedoch aus gutem Grund verboten. Davon mal abgesehen, gilt die Menschenwürde für alle Berufs- und Altersgruppen. Es können nur Freiwillige sein und wenn sich diese nicht finden, dann strahlt das Ding im einen Extremfall über Tausende Jahre vor sich hin und im anderen könnte unsere gesamte Gesellschaftsstruktur gefährdet sein. Wohl eher zweiteres …

  3. Nunja, der Kampf-Einsatz von Soldaten im Inland ist verboten (genauer: das Gewaltmonopol kann nur von den Polizeiorganen ausgeübt werden). Im Katastrophenschutz war die Bundeswehr schon tätig (Schneewinter 1978, Oderhochwasser 1997, Schneechaos im Münsterland 2005,…).

    1. Okay, da hast du sicher recht. Die Frage ist allerdings, ob Soldaten bei einem Nicht-Kampfeinsatz Leben und Gesundheit auf einen Befehl hin riskieren müssen?

  4. Naja, irgend ’nen bekloppten Eid werden die schon geleistet haben. Sowas wie: „Ich schwöre, dass ich im Falle einer Apokalypse auch Beton anrühren werde!“

    Oder so ähnlich.

    Echt mal… Ich schätze WENN das passiert, werden Lösungen gefunden (werden müssen) die wir uns in ganz wilden Fantasien nicht ausmalen möchten/können.

    „einen Befehl hin riskieren müssen?“ -> Eid, Drill und die BW-eigene Hierarchie , plus die „Ehre“ es tun zu dürfen…da finden sich bestimmt einige. Die Armen 😉

  5. Ihr seht aber auch keine mit dem deutschen Recht und den Allgemeinen Menschenrechten vereinbare Lösung des Problems, oder?

  6. So blöd das jetzt klingt: Ich gehe fest davon aus, dass es Freiwillige geben wird. Die gibt es immer. Nach den Medikamentenversuchen in GB, die so schrecklich ausgingen, gab es eine richtige Welle von Freiwilligen, die unbedingt an Tests teilnehmen wollten.

  7. Es klingt nicht blöd. Und es würde nur so gehen. Denn der springende Punkt bei der Sache ist nämlich, dass es, wenn wir unseren Rechtsstaat nicht aufgeben wollen, ansonsten keine andere Möglichkeit gibt. Und das schlimmste, dass wir machen können, ist unseren Rechtsstaat aufzugeben. Nur er gewährt Frieden, Freiheit und Stabilität. Darum kann es nur einen Schluss aus diesem Gedankenspiel geben. Wir müssen uns so schnell wie irgend möglich von der Atomkraft verabschieden. Sie ist eine Gefahr für alles, was uns wichtig sein sollte.

  8. Steht dem Heer der Freiwilligen nicht ein EUweites Ausschreibungsgebot entgegen – wie lange dauert das usschreibungsverfahren – und könnte da nicht z. B. Bilfinger und Berger den Zuschlag erhalten und mit billigem Material (also billiger Betonmischung oder gar mit zu wenig Moniereisen wie bei der Kölner U-Bahn) dafür Sorgen, dass der Sarkophag undicht wird oder gar frühzeitig in sich zusammenfällt?

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