Hellsongs

Nachdem in Großbritannien Heavy Metal zur offiziellen Religion werden soll, dürfte das was die Leutchen von der norwegischen Band Hellsongs da so treiben, in England bald als astreine Blasphemie durchgehen.

Trotzdem schleppe ich in den letzten Tagen regelmäßig deren Heavy-Metal-Cover-Songs als Ohrwurm mit mir herum. Dabei ist mir auch zum ersten Mal bewusst geworden, dass es in dem Lied Run to the hills von Iron Maiden ja um den Konflikt zwischen Indianern und Soldaten, die deren Land erobern sollen, geht:

Wem die beiden Stücke gefallen, kann ich die gesamte CD Hymns in the Key of 666 nur wärmstens empfehlen. Auch toleranten Briten …

Gemeinwohl und Nachhaltigkeit

Zur Zeit bin ich auf den real existierenden Kapitalismus gar nicht gut zu sprechen. Das ihm zugrunde liegende “Wachstum, Wachstum, Wachstum” erscheint mir absolut unangebracht in einer endlichen Welt. Wobei die Endlichkeit der Welt sich in dem Zusammenhang hauptsächlich auf ihre Funktion als Lebensgrundlage der Menschen bezieht.

Auch macht es mich ziemlich mürbe, dass die Messlatten für den so genannten Erfolg innerhalb dieses Kapitalismus so fürchterlich willkürlich gelegt werden und dass die Ausgangsbedingungen für die Überquerung dieser Messlatten nicht für alle Menschen gleich sind.

Doch wird wohl alles Gemeckere und Gemosere meinerseits gar nichts helfen; der Kapitalismus hat sich ziemlich festgesetzt. Auch scheint er durch einige menschliche Eigenschaften untermauert zu sein. Aber trotzdem sollten wir seine gegenwärtige Ausprägung nicht einfach so hinnehmen. Wir müssen die Spielregeln dringend ändern. Hierzu gilt es die Grundlagen von wirtschaftlichem Erfolg zu ändern. Nicht die Gierigsten, die Skrupellosten oder die Privilegiertesten dürfen erfolgreich sein, sondern die, die nachhaltig und im Sinne des Gemeinwohls agieren. Nicht Umsatz und Gewinn sollte die Grundlage allen Wirtschaftens sein, sondern der Gemeinnutz und gerne auch wie kooperativ sich die Wettbewerber verhalten.

Einer, der mir diesbezüglich aus der Seele spricht, ist der österreichische Autor und attac-Aktivist Christian Felber. Darum möchte ich auch allen den Mitschnitt einer SR2-Radiosendung aus der Reihe Fragen an den Autor ans Herz legen, in der Christian Felber sein Buch Kooperation statt Konkurrenz: 10 Schritte aus der Krise vorstellt und ausgiebig diskutiert:

 

Die von Felber skizzierte Gemeinwohl-Ökonomie ist nach seiner Vorstellung eindeutig ein marktwirtschaftliches System. Nur das darin nicht die Konkurrenz und zu maximierender Finanzgewinn die oberste Maxime ist, sondern das Streben nach allgemeinem Wohl. Wie das funktionieren soll, wird in dieser Sendung anschaulich beschrieben.

Ich habe mir diesen Podcast schon zweimal angehört, da er so dicht mit interessanten Informationen voll gepackt ist, dass mir einmal hören einfach nicht gereicht hat, um sie auch nur annähernd alle aufzunehmen.

Was sagt ihr dazu? Wie hört sich das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie für euch an?

Everything is OK

Es gibt bei Youtube einige Videos der “Everything is OK”-Leute, deren Aktionen gegen den Überwachungs- und Polizeistaat und das kapitalistische System ich mehr gelungen finde. Das Video oben ist eine Art “Best of”.

Es gibt auch einige der Videos mit deutschen Untertitel. Zum Beispiel diese:

Und immer daran denken: Everything is OK!

Kurzgeschichtenschreibtraining

schlitten

Lediglich vier der 44 Kapitel des Buches Von der Kunst des Schreibens … und der spielerischen Freude, die Worte fließen zu lassen von Julia Cameron, habe ich damals wirklich gelesen. Damals, das war vor etwas mehr als zwei Jahren, als mir Natali das Buch geschenkt hatte. Ich hatte ihr zuvor erzählt, dass ich mir gut vorstellen könnte, am Schreiben Freude zu haben. Ich sollte noch erwähnen, dass das zweite Kapitel gerade mal eine halbe Seite lang und eigentlich auch kein richtiges Kapitel ist. Es ist ein Übungsaufgabe. Die Autorin forderte mich darin auf ins “kalte Wasser” zu springen und genau drei Blatt DIN-A4-Papier zur Hand zu nehmen. Darauf sollte ich einfach los schreiben. In dieser Sekunde und ohne vorher nachzudenken. Das habe ich dann auch sogleich getan.

Am vergangenen Wochenende sind mir dieses drei Blatt Papier beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen und damit das nicht verloren geht, was ich damals einfach so runter schrieb, habe ich es soeben mal schnell abgetippt. Dabei kam mir in den Sinn, die Zeilen einfach mal hier einzustellen. Rau, unlektoriert und mit allen Ecken und Kanten.

Der kleine Mann kaufte sich das Fahrrad. Er brauchte sehr lange bis er sich endlich für dieses spezielle Rad entschieden hatte. Es war ein schönes Rad. Der Rahmen hat eine ganz besondere Lackierung. Es ist in einem leuchtenden Gelb lackiert, das durch die roten Streifen einen sehr verwegenen Eindruck macht. Welch’ eine Freude wird es sein, mit diesem Rad einen steilen Hügel herunter zu brausen. Die roten Streifen auf gelbem Grund werden den passierten Menschen nachhaltig in den Augen leuchten! Doch was die Lackierung nicht kaufentscheidend. Entscheidend waren die Erinnerung, die das Rad hervorbrachte. Er musste zwangsläufig an süssen … viel zu süssen Kakao denken. An Gulasch-Suppe an langen, kalten Winterabenden. An das grüne Telefon im Flur … natürlich mit Wählscheibe und kabelgebunden. An Pullunder, Nicki-Pulli, Pinocchio und Heidi. An Buddeln im Bach, der die Wiese hinterm Haus durchquerte, und an … ach, an so vieles. Natürlich auch an ein paar unangenehme Dinge. Oder doch nicht? Nein, eigentlich nicht. Warum war das so? Die gute alte Zeit! War sie wirklich so gut? Sicher nicht … nicht nur. Aber eben doch gut genug, um sich gerne daran zu erinnern.
Eine gute Erinnerung hatte ihn auch dazu bewogen, dieses rot-gelbe Rad auszuwählen. Er hatte nie selbst ein solches Modell. Er hatte ein kleines gelbes Rad. Zuerst mit Stützrädern. Die kamen aber bald ab. Denn er lernte schnell. Und wenn er an etwas Freude hatte, noch schneller. Und am Radfahren hatte er große Freude. Berge wurden schon damals in halsbrecherischer Manier heruntergesaust. Bremsen? Bremsen waren was für die die uncool waren. Und uncool war, wer entweder an langweiliges Rad hatte, oder wer ein langweiliger, d.h. hasenfüßiger Fahrer war. Er hatte ein langweiliges Rad, darum musste er eben ein mutiger … ein wagemutiger Höllenreiter sein. Im Sommer wie im Winter. Im Winter wurden die Räder im Schuppen ein- und die Schlitten ausgemottet. Auch hier musste er was wagen. Er hatte keinen schnellen roten Plastik-Bob-Schlitten. Er hatte den alten, kleinen Schlitten seiner Mutter. Mehrfach geschraubt und nicht sehr ansehnlich. Auch nicht schnell. Die Kufen waren einfach zu breit. Das weiß er heute. Damals war es einfach nur so. Auch wenn er mit den ersten Schneeflocken den Schlitten auf Vordermann gebracht hat. Kufen abschleifen und mit Speck einreiben. Die Kufen mussten glänzen und einfach nur schnell sein. Auch wenn es nur wenig brachte. Die anderen Jungs kannten die Tricks ebenfalls und da half es auf der Überholspur nichts, wenn man noch so toll präparierte Kufen hatte. Nur in einer Disziplin war er der ungekrönte König: Schlittenweitsprung. Irrsinnige Rampen wurden gebaut und dann gings drüber. Schlittenlängen waren das Mass und er war der Adler. Der Überflieger. Breite Kufen waren eben doch zu etwas nütze. So war der Wagemut sein treuer Begleiter. Sein bester Coolness-Berater. Wer ein langweiliges Fahrrad und einen Schlitten mit zu breiten Kufen hatte, musste einfach etwas zu bieten haben, was die Jungs mit roten Schlittenbobs und mit Bonanza-Rad nicht hatten. Und nun … als erwachsener, nicht mehr so wagemutiger mann, da musste er jetzt eben doch ein Bonanza-Rad sein … rot-gelb.

Dass ich das Buch übrigens nicht mehr weiter gelesen hatte, lag nicht an der Qualität des Buchs. Auch nicht daran, dass ich schon nach vier Kapiteln gemerkt habe, dass das Schreiben mir keinen Spaß machte. Im Gegenteil, diese vier Kapitel haben mir als Initialzündung vollkommen gereicht und seither schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr.

Jahreswechsel in der Kommune Waltershausen

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Aufmerksame Leser und Leserinnen kennen unsere Kommunen-Pläne ja bereits. Und gerade jetzt in der Annäherungsphase an die Kommune Waltershausen (KoWa) ist für uns jeder Besuch wertvoll und höchst interessant. Somit waren wir sehr froh, als uns die KoWa für zwischen den Jahren und den Jahreswechsel zu sich eingeladen hat.

Für viele in der KoWa war dies eine extrem betriebsame Zeit, da es in der zugehörigen Kulturkneipe Spatz ein Silvester-Buffet vorzubereiten und die über 60 Gästen dann auch zu bewirten galt. Natali und ich wurden auch gleich in die anfallenden Arbeiten eingebunden und hatten so auch noch mal eine weitere Möglichkeit die KoWa noch etwas besser kennen zu lernen. Es war dabei schön zu sehen, dass eine solche Veranstaltung durchaus auch ohne Chef und ohne Antreiber erfolgreich durchgeführt werden kann. Und nicht nur das, ich empfand die sehr betriebsame Atmosphäre trotz Stress und vieler Aufgaben als sehr angenehm.


Besonders schön war für mich jedoch der Neujahrstag. Der Stress war weg, die Feier ein voller erfolg, draußen lagen gut 15 cm Schnee, der zu Spaziergängen einlud, und drinnen wurden den ganzen Tag, mit vielen kleinen Geschichten und Späßen garniert, die Reste vom Buffet verspeist. Abends saßen wir dann noch gemütlich in der Bibliothek zusammen und haben Filme geschaut. Ein Traumstart ins neue Jahr.

Aber nicht nur, dass wir eine tolle Zeit in der KoWa verleben durften, wir sind auch in unserem Kennenlernprozess ein gutes Stück weitergekommen. Natali und ich habe jeweils unsere beiden FürsprecherInnen für eine Probezeit gefunden. Dies ist ein wichtiger Schritt, der zwingend dazu gehört, wenn mensch in die KoWa einsteigen möchte. Jetzt sind wir gerade am nächsten Schritt dran, wir schreiben unsere Probezeitanträge. Darin gilt es neben ein paar Daten und Fakten zur eigenen Person unter anderem auch noch mal schriftlich zu formulieren, warum wir in Kommune bzw. in der KoWa leben wollen, was wir dort tun und arbeiten wollen und was wir mitbringen und was bei einem eventuellen Ausstieg wieder mitnehmen wollen.

Es ist zudem ein tolles Gefühl, dass eigentlich alle in der KoWa uns deutlich gesagt oder signalisiert haben, dass sie uns gerne bei dem Projekt mit im Boot haben wollen. Und auch wenn die Wohnraumsituation dort gerade noch zu beengt für zwei weitere KommunardInnen ist, wollen sie ordentlich Gas geben und bis April für uns weitere Zimmer erschließen. Es scheint sich also alles irgendwie zu fügen und ich habe total Lust auf diesen Schritt. Aber jetzt heißt es erst einmal den Probezeitantrag fertig machen, um ihn der KoWa zukommen zu lassen. Ich jedenfalls bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen dort. Nicht dass doch noch etwas schief läuft.

Selbstwertgefühl

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Ich bin weder Psychologe, noch Pädagoge oder sonst irgendein …oge. Doch auch ich mache mir so meine Gedanken. Ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt, dreht sich darum, was man jungen Menschen unbedingt mit auf ihren Lebensweg geben sollte, damit sie sich ein glückliches und zufriedenes Leben gestalten können. Und da komme ich immer wieder auf eines zurück, dass ich für besonders essenziell halte: Ein gesundes Selbstwertgefühl.

Nun habe ich gestern in der feministischen Frauenzeitung EMMA ein Interview mit Heidi Kastner gelesen. Die Psychiaterin war die vom Gericht bestellte Gutachterin im Fritzl-Prozess. Im Interview wird sie gefragt, ob es einen roten Faden bei den von ihr untersuchten Gewalt-Straftaten gibt. Sie bejaht dies, indem sie sagt:

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto deutlicher merke ich: Hinter den allermeisten Straftaten steckt ein Selbstwertproblem.

Und später fügt sie noch hinzu:

Es geht um Macht. Es geht darum, jemand Schwächeren unter sich zu fühlen. … Dieses Grundthema steckt in Konflikten am Arbeitsplatz, in Partnerschaften, und hinter den meisten Gewalttaten, die Eltern an ihren Kindern begehen.

Wenn ich Frau Kastner richtig verstehe, bezieht sie sich mit ihren Aussagen nicht mehr nur auf im Sinne der Gesetze verfolgungswürdigen Taten. Sie sieht darin ein allgemeines und grundlegendes Problem.

Doch wie gehen wir mit der Problematik in unserer Gesellschaft um? In den Schulen ist es wichtiger, dass die Kinder diese fachkompetent verlassen, als als gefestigte Personen, mit einem gesunden und sozialverträglichen Selbstwertgefühl. Die Politik fördert explizit Kleinfamilien, in denen Machtstrukturen manifestiert werden und bestehende Selbstwertprobleme nur all zu oft an deren schwächste Mitglieder weitergegeben werden.

Ich bin der Meinung, dass wir gut daran tun würden, wenn wir die einzelnen Elemente unserer Gesellschaft wieder etwas durchlässiger gestalten. Die Schwachen müssen die Chance haben, sich Verbündete suchen zu können. So sind zum Beispiel die Großeltern im Haus schon immer nur all zu oft wunderbare Verbündete von Kindern gewesen. Auch in den eigenen Alltag involvierte Nachbarn und Freunde können hilfreich sein, wenn die Machtstrukturen in einer Familie zu sehr ins Ungleichgewicht geraten.

Wir sollten es also unbedingt befördern, dass sich funktionierende und gut vernetzte Umfelder bilden und das in unserer Gesellschaft möglichst viel auf Augenhöhe passiert. Hierarchien und Machtstrukturen gilt es abzubauen bzw. zu minimieren. Und Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl tun diese automatisch deutlich stärker und sind zudem freier im Denken und damit kreativer und … wenn dies von der Gesellschaft wirklich gewünscht ist … auch produktiverer.

Lasst uns also das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Menschen stärken und wir stärken unser Gesellschaft.


Das Foto oben stammt vom Thomas Helbig alias teliko82 auf Flickr

Warum ich in eine Kommune ziehen werde

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Nichts im Leben ist sicher. So auch nicht, ob wir nun wirklich unseren derzeitigen Wunschlebensentwurf dauerhaft leben werden. Doch steuern wir derzeit mit riesigen Schritten auf ihn zu. Der Plan ist gefasst und so gut wie derzeit möglich terminiert. Wahrscheinlich werden wir ab April nach Waltershausen ziehen und in der dortigen Kommune eine Probezeit beginnen.

In den letzten Monaten, in denen dieser Plan reifte und von uns gestaltet wurde, habe ich mit vielen Menschen über das Leben in einer Kommune sprechen dürfen. Diese Gespräche waren meistens relativ lange und intensiv. Denn dieser Lebensentwurf scheint es irgendwie in sich zu haben. Klar, denn er scheint auch erst einmal nicht viel mit der üblichen Vita eines Erwachsenen im noch frischen 21. Jahrhundert zu tun zu haben.

Interessanterweise habe ich immer wieder das Gefühl, bei diesen Gesprächen Einiges über mein Gegenüber zu erfahren. Die Gespräche drehen sich immer wieder um ziemlich konkrete Punkte, in denen ich oftmals bestimmte Grundängste des jeweiligen Menschen zu erkennen meine. Sehr oft dreht sich so ein Gespräch um das Thema Geld und Vermögen. Aber auch Befürchtungen in Richtung einer sektenähnlichen Abhängigkeit, werden relativ häufig benannt. Auch kommen Zweifel auf, ob eine solches Projekt ohne Hierarchien überhaupt funktionieren kann. Ohne sie alle aufführen zu wollen, kann ich sagen, dass es noch weitere, immer wiederkehrende Schwerpunkte in den jeweiligen Gesprächen gab. Und ich bin sehr dankbar, dass ich darüber diskutieren durfte. Denn ich habe dabei sehr viele Denkanstöße bekommen. Diese haben mich nur all zu oft eine Zeit lang begleitet und mir geholfen, die Entscheidung pro Kommune mit dem guten Gefühl zu treffen, denn so habe ich sehr viele, sehr unterschiedliche Aspekte be- bzw. durchdenken können.

Doch Einiges wird sich auch durch noch so viele weitere Gespräche, grüblerische Stunden und Kommunen-Besuche nicht klären lassen. Und darum soll dieses Theoretisieren und Gast sein, nun ein Ende haben. Ich, und Natali denkt da absolut gleich, muss es nun erleben. Es kann scheitern. Ich versuche mich auch auf ein Scheitern vorzubereiten. Ich versuche mir durchaus bewusst darüber zu sein, was ich riskiere. Das heißt, was ich an Bestehendem aufgebe und welche Risiken es hat, einen solchen Schritt zu wagen.

Ich versuche mir darüber klar zu werden, welche meiner Charaktereigenschaften ein Leben in einer solch verbindlichen Gemeinschaft erschweren werden. Für mich und für die anderen Menschen dort. Ist es wirklich kein Problem für mich, dass ich kein eigenes Vermögen haben werde, sondern stattdessen ein gemeinschaftliches? Aktuell beantworte ich mir diese Frage, aus ganzem Herzen und mit soviel Verstand wie möglich, mit einem klaren Ja. Sowie ich für mich auch ein deutliches Plus an Lebenschancen sehe. So möchte zum Beispiel ich mehr Zeit haben können, mich gesellschaftspolitisch zu engagieren und zu wirken.

Aber nicht nur Zeit, sondern auch Raum, ist für mich ein gutes Argument pro Kommune. Zwar werde ich persönlich nur ein eigenes Zimmer haben, dass im Prinzip einem WG-Zimmer gleich kommt, aber drumherum gibt es so viel Raum, um damit zu leben, zu wirken, zu arbeiten und ihn zu genießen. Es wird jedoch gemeinschaftlich genutzter Raum sein. Ich werde, nicht nur diesbezüglich, gemeinschaftlich beschlossene Regeln und Absprachen einhalten müssen bzw. diese zunächst erst einmal herbeiführen müssen. Auf Grund dieser Regeln und Absprachen, werden viele alltägliche Dinge und Abläufe ähnlich schnell und unkompliziert zu bewerkstelligen sein, wie wenn ich nicht in einer Kommune leben würde. Doch einiges wird vorher zu besprechen sein. Aber machen wir uns doch mal nichts vor, so frei in unseren Entscheidungen, wie wir immer denken, sind wir doch längst nicht. Und die Entscheidungen in einer Kommune sind zudem auch Konsens-Entscheidungen. Es wird nur zu oft mühselig sein, einen Konsens zu finden. Doch dann ist es eine belastbare und für alle tragbare Entscheidung, die deutlich größere Chancen hat, im Alltag nicht hinderlich zu sein oder unter zugehen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht an Gott oder ähnliches glaube. Daraus kann ich also auch beim besten Willen keinen Sinn für das Leben ableiten. Vielleicht bin ich deshalb auch so sehr auf diese Schiene des weltverbesserischen Ökos geraten. Einer Rolle, in der ich mich wohl fühle. Doch mit diesem Rollenanspruch kann man auch durchaus auf die LOHAS-Spur geraten. Dazu bin ich aber einfach zu konsumkritisch bzw. habe eigentlich den Anspruch dies zu deutlich zu sein. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Nachhaltigkeit das Wachstum als globalen Leitgrundsatz ablösen muss. Und Nachhaltigkeit kann ich in einer Kommune besser leben, als in einer klassischen, stark durch Erwerbsarbeit geprägten Zweier- bzw. Familien-Konstellation.

Ich habe mir auch schon die Frage gestellt, ob ich einen alternativen Lebensstil nicht nur leben, sondern auch vorleben möchte. Das kann man schon so sehen. Doch bei genauerem Hinsehen, wird hoffentlich klar, dass ich nicht den Kommune-Lebensstil vorleben bzw. predigen möchte. Doch ich möchte deutlich aufzeigen, dass es immer auch anders geht; dass es Alternativen zum Mainstream gibt. Wie ich schon angedeutet habe, bin ich dabei auch der Meinung, dass wir nicht daran vorbei kommen, unsere globale Gesellschaft umzubauen. Doch diese Aufgabe ist in sich so komplex, dass es wohl nur ganz vereinzelt Menschen bewerkstelligen können, in einem ausreichenden Großen und Ganzen zu denken. Aber in aller Regel leben wir im Kleinen und Individuellen. Und da möchte ich gerne dazu anregen, dass sich jede und jeder darüber im Klaren ist, dass es auch immer “Anders” geht. Stichworte sind hier zum Beispiel das Mietshäuser Syndikat, Attac, Green Car, Bioenergiedorf oder wie schon erwähnt, der LOHAS. Mein persönliches Stichwort ist nun, um in der Metapher zu bleiben, Kommune. Und ich bin froh, dass die Frau, mit der ich auf Grund von Liebe, möglichst intensiv zusammenleben möchte, dies gemeinsam mit mir, auch zu ihrem Stichwort gemacht hat.

Auch froh bin ich, dass mein bisheriger Arbeitgeber die ganze Sache unterstützt. Das macht es mir zum einen einfacher, die ganze Sache jetzt in einer offenen und ehrlichen Art und Weise anzugehen. Zum anderen möchte ich mich in der Kommune gerne als selbstständiger Web-Schaffender betätigen und habe somit schon einen ersten potenziellen Auftraggeber an der Angel. Sehr schön ist zudem, dass dort in der Kommune Waltershausen schon ein weiterer Web-Worker lebt und es somit die konkrete Aussicht auf ein von mir schon lange erträumtes Web-Kollektiv gibt.

Doch gehört es zum Glück zum Kommuneleben zwingend dazu, dass man nicht nur seiner Erwerbsarbeit nachgeht, sondern auch so genannte reproduktive Arbeit (Küche, Kinderbetreuung, Feuerholz, etc.) leistet und auch in anderen Arbeits- oder Tätigkeitsbereichen aushilft, wie etwa der Kneipe oder im Garten. Aus meiner jetzigen Sicht, ist das für mich viel weniger ein Muss, als Chance auf Ausgleich. Ein Ausgleich, der es mir sicherlich auch einfacher machen dürfte, meine Erwerbstätigkeit dauerhaft zu mögen und zu schätzen; darin nicht auszubrennen.

Und nun: Drück’ uns die Daumen … wenn du möchtest.

Meine Musik-Entdeckungen des Jahres 2009

Es muss einfach die Jahreszeit sein. Überall sieht, hört und findet mensch derzeit “… des Jahres”. Ich mag das irgendwie. Darum heute meine Musik-Entdeckungen des Jahres 2009.

Anfang des Jahres hatte ich wohl noch ziemlich mit meinen Entdeckungen des Jahres 2008 zu tun, wie zum Beispiel Jennifer Rostock oder Grossstadtgeflüster. Denn es fällt mir echt schwer, hier etwas aufzuführen, dass mich im ersten Halbjahr 2009 musikalisch nachhaltig beeindruckt hätte. Aber dafür hatten es die letzten Monate um so mehr in sich. Kann aber auch sein, dass diese Eindrücke noch frischer sein. Egal warum, aber diese drei Interpreten haben es mir besonders angetan … ohne weitere Erläuterungen:

Tokyo Ska Paradise Orchestra

Dub FX

Katzenjammer

Rock’n'Roll Baby …

Film-Stöckchen

kino

Da hat Thang auf electru.de doch glatt ein feines Stöckchen zum Thema Film rumliegen lassen. Ein gefundenes Fressen für mich … here we go:

01) Ein Film, den du schon mehr als zehnmal gesehen hast: Den Film, den ich sicherlich am häufigsten gesehen habe, ist Ein ausgekochtes Schlitzohr. Nicht weil der Film so unglaublich gut wäre. Sondern eher weil, als wir unseren ersten Videorekorder (Betamax) bekommen hatten, wir lange Zeit kaum mehr als diesen Film besaßen.

02) Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast: Ich gehe in der Regel nicht mehrfach ins Kino, um dort ein und den selben Film zu sehen. Darum kann ich mich nur an einen Film erinnern, den ich mehrfach im Kino gesehen habe: Die Krähe (The Crow). Den Film habe ich einmal “normal” und einmal in einem Dopple Feature mit dem zweiten Teil gesehen.

03) Ein Schauspieler, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen: Johnny Depp ist ein recht zuverlässiger Garant für einen außergewöhnlichen Film.

04) Ein Schauspieler, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen: Es gibt so Schauspieler, die sehr stark in Genre verhaftet sind, die ich nicht mag. Davon aber mal abgesehen, fällt es mir schwer in einen (weiteren) Film mit Audrey Tautou zu gehen. Ihre Rolle hat mich in Die fabelhafte Welt der Amélie einfach zu sehr genervt.

05) Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kannst: Ich kann erstens nur sehr wenige Lieder komplett auswendig und zweitens schaue ich mir keine Filmmusicals an.

06) Ein Film, bei dem du mitgesungen hast: Da würde ich mal knallhart auf Wayne’s World tippen.

07) Ein Film, den jeder gesehen haben sollte: Da muss ich mich jetzt wohl für einen entscheiden … hmmm … okay: Darwins Alptraum.

08) Ein Film, den du besitzt: Viele DVDs besitze ich nicht, aber z.B. Night on Earth – toll!

09) Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat: Milla Jovovich, sie ist großartig!

10) Schon mal einen Film in einem Drive-In gesehen? Nö.

11) Schon mal im Kino geknutscht? Eijeijei, die Pubertät … ähm … also: Ja.

12) Ein Film, den du immer schon sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist: Eindeutig Gegen die Wand … Asche auf mein Haupt!

13) Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war? Nein, erstens suche ich mir die Filme meist genau aus, was wirkliche Flops unwahrscheinlicher macht, und zweitens dauert so ein Film ja auch nicht ewig.

14) Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat? Den anrührensten Film, den ich als erwachsener Mensch gesehen habe, ist … *räusper* … In einem Land vor unserer Zeit. Kein Kommentar!

15) Popcorn? Meist nicht, aber eigentlich gerne. Aber nur süßes Popcorn.

16) Wie oft gehst du ins Kino? Etwa 10x im Jahr.

17) Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?
District 9 … sehenswerter Film. Wirklich!

18) Dein Lieblingsgenre? Schwierig … dann wohl doch Science-Fiction.

19) Dein erster Film, den du im Kino gesehen hast? Das war die Disney-Version von Robin Hood. Da hatte ich dann auch ein Buch und sonstige Fan-Artikel von.

20) Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen? Die fürchterlich vermurkste 2005er Verfilmung von Per Anhalter durch die Galaxis. Blasphemie!

21) Der merkwürdigste Film, den du mochtest? Da fällt mir spontan Trainspotting ein.

22) Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast? Ich habe in einem Alter, als ich ihn bestimmt noch nicht hätte sehen sollen, heimlich The Fog – Nebel des Grauens gesehen. Der hat mich dann noch ein paar ungute Nächte lang verfolgt.

23) Der lustigste Film, den du je gesehen hast? Es gibt viel Filme, die ich sehr lustig fand. Aber spontan ist mir gerade Happy-Go-Lucky eingefallen … EN-RA-HA! *hehe*

Puh! Das war gar nicht so leicht. Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, wenn jemand das Stöckchen aufgreifen und selbst beantworten würde.

PS: Das Foto oben habe ich bei Flickr im Account von onnufry (Johann Bitsoenn) gefunden.

“Urlaub in unserer Zukunft?” oder “Ob sich ein Traum leben lässt?”

kowa_wohnhaus

In den letzten Stunden des Jahres 2008 haben Natali und ich uns für das neue Jahr vorgenommen, uns zu entscheiden. Wir wollten uns entscheiden, wo die Reise unserer Lebens hin gehen soll. Schließlich wurde Natali in diesem Jahr 30 und ich werde im kommenden 40 Jahre alt. Da kann man schon mal langsam anfangen etwas verbindlichere Zukunftspläne zu machen.

Wir hatten einige Optionen im Angebot. Dazu gehörte sogar das von Natalis Mutter vorgeschlagene Auswandern nach Irland. Auch haben wir ernsthaft überlegt, ein altes Haus zu kaufen, um es aufzumöbeln. Natali reizte daran, sich handwerklich austoben zu können. Ich freute mich eher auf den Garten und die Gartenarbeit. Gar nicht mehr so richtig auf der Rechnung hatten wir unsere frühere Idee von einem Leben in Gemeinschaft. Diese Idee erneuerte sich er nach dem Besuch beim Los geht’s 2009.

Nachdem die Idee vom Leben in einer Kommune bei uns noch vor einem Jahr fast völlig vom Tisch war, ist sie heute aktueller denn je. In der Folge des Los geht’s haben wir insgesamt drei Kommunen besucht. Die erste … die Kommune Hof Rossee … liegt zwischen Kiel und Flensburg, also dort, wo wir gerne Urlaub machen. Auch waren wir mal wieder in der Kommune Niederkaufungen und damit in der Kommune, in die wir 2006 schon fast einmal eingezogen wären. Die dritte Kommune, die wir besuchten, war die KoWa in Waltershausen. Nach einem gemeinsamen Schnupperwochenende Ende August und Natalis Erntehilfe vor ein paar Wochen, waren wir die vergangene Woche wieder dort. Und um es vorweg zu nehmen: Wir wären am Liebsten direkt dort geblieben.

Waltershausen liegt in Thüringen, ganz grob zwischen Erfurt und der Grenze zu Hessen. Also gar nicht mal so weit von meiner alten Heimat entfernt. Die beiden Hauptsehenswürdigkeiten sind das Schloss Tenneberg und die Stadtkirche, die als Vorläuferin der Dresdner Frauenkirche gilt. Ein weiteres unter Denkmalschutz stehendes Gebäude im etwas mehr als 10.000 Einwohner zählenden Waltershausen ist die Puppenfabrik. Und genau dort findet man seit 2003 die Kommune Waltershausen.

In der KoWa leben derzeit 16 Menschen, darunter ein Dauergast, vier Kinder und drei Menschen in Probezeit. Und letzteres streben wir für das kommende Jahr auch an. Wir wollen dort gerne eine Zeit lang auf Probe leben. Dieses halbe Jahr wäre für uns eine Zeit, in der wir hoffentlich heraus finden können, ob das Leben in einer Gemeinschaft für uns dauerhaft geeignet ist und ob wir dann dort ganz einsteigen möchten. Wir können in dieser Zeit erproben, ob wir Entscheidungen, die die Gruppe betreffen, immer im Konsens treffen können? Sehen, ob wir damit klar kommen, kein eigenes Vermögen aufzubauen und bei allem eine Nummer größer zu denken? Herausfinden, ob es nervig ist, in WG-artigen Wohnungen zu leben. Auch ist zu klären: Kommt man mit den anderen Leuten in der Kommune klar? Jeweils persönlich oder auch mit der gesamten Gruppe. Erkenne ich immer meine eigenen Bedürfnisse und kann ich sie in ein gesundes Verhältnis zu den Bedürfnissen der anderen KommunardInnen und der gesamten Gruppe stellen? Und nicht zuletzt müssen Natali und ich erproben, ob wir sowohl als Paar, als auch als Individuen in der Gemeinschaft ankommen und sein können.

Diese und weitere Überlegungen würden mich wohl auch über eine “erfolgreiche” Probezeit hinaus begleiten. Doch ist da noch mehr. Vor allem ist da die Chance, ein Leben zu führen, das unsere Vorstellung von dem, was Arbeit ist und was nicht, in ein ganz anderes Licht taucht. Ein Leben, das das “Konzept Chef” aus gutem Grund nicht vorsieht und das zum Beispiel die Arbeit im und am Haus und die Erwerbsarbeit in ihrer Akzeptanz gleich stellt … sowie auch die Arbeit für den Erhalt der Gruppe. Einer Gruppe, in der Probleme und Befindlichkeiten gemeinschaftlich und zur Zufriedenheit Aller gelöst werden müssen, die dazu aber auch wirklich die notwendige Zeit und Ressourcen investiert.

Leben in einer Kommune ist also vor allem mit Umdenken verbunden. Und da freue ich mich drauf, denn der gerade Weg war mir schon immer zu beschwerlich.

It's a dirty job but someone got to do it

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