Zum Inhalt springen

Gestatten: Mein neuer Begleiter, Tinnitus.

Seit etwas mehr als einem Monat habe ich nun dieses Ohrgeräusch, bin deshalb seit gut vier Wochen in Behandlung. Leider ohne Erfolg. Es pfeift. Immer. Mal lauter, mal leiser … und doch immerzu. Ich versuche ruhig zu bleiben. Gelassen damit umzugehen. Mal gelingt mir das besser, mal schlechter. Stille ist besonders schlecht. Lärm auch. Aber monotone Geräusche helfen. Ich habe mir drei CDs gebrannt: eine mit Gewitter, eine mit Sommerregen und eine mit Kaminfeuer-Knistern. Zum Einschlafen. Zum Konzentrieren.

Zum Glück habe ich meine Kommune. Als Freiberufler krankfeiern ist ja nicht ohne. Aber ich merke, dass ich derzeit ziemlich eingeschränkt bin. Ich kann mich nicht wirklich gut konzentrieren und bin abends immer ziemlich erledigt. Auch wenn ich kaum was mache. Das Immer unter Strom stehen schlaucht mich. Sehr. Gespräche auch. Wenn nur gesprochen wird, dann fährt das Pfeifen richtig hoch. Länger Gespräche und Diskussionen sind gerade einfach nicht drin. Was in einer Gemeinschaft echt ein Problem darstellt.

Wo kommt das Ganze her? Die Frage aller Fragen. Meine Ohren sind in Ordnung. Ein Zeckenbiss vom Sommer ist allem Anschein nach doch nicht der Auslöser. Eine verschleppte Entzündung konnte auch ausgeschlossen werden. Ebenso irgendein Mangel, wie der von Eisen im Blut oder ähnlichem. Es könnte auch von der Wirbelsäule kommen, das gilt es noch zu checken. Der Besuch beim Orthopäden steht noch aus. Widrigenfalls ist es wohl psychisch bedingt. Die Wahrscheinlichkeit steigt. Stress? Druck? Ich weiß es nicht. Im gerade zu Ende gehenden Jahr ist viel passiert. Vielleicht zu viel. Es gab viele Unsicherheiten … Verunsicherungen. Da muss ich wohl mal genauer drauf schauen.

Nun heißt es aber erst einmal, mir einen neuen Alltag schaffen. Schauen, was ich ich beruflich anders, besser … überhaupt noch machen kann? Es heißt aber auch: Die Angst loswerden. Es kann auch ein gutes Leben mit Tinnitus geben. Bestimmt. Millionen von Menschen haben dieses Problem und die allermeisten kommen damit klar. Das will ich auch … falls nötig. Aber am liebsten möchte ich dieses Geräusch wieder komplett loswerden. Dieses hochfrequente Sirren. Dreckston!

Kategorie(n):Erlebtes

4 Kommentare

  1. Willkommen im Club! Ich hatte vor etwa 20 Jahren einen Hörsturz und höre seitdem auf einem Ohr schlecht, dazu kam dann auch noch ein Tinnitus. Meistens bemerke ich ihn gar aber gar nicht, er ist einigermaßen erträglich.

  2. Ich kann aus Erfahrung nur sagen: Schau auf die psychische Seite. Vor allem dann, wenn man körperliche Ursachen weitgehend ausschließen kann. Bei mir haben sich durch die Befassung mit mir selbst sowohl Asthma las auch Heuschnupfen verabschiedet, das Sodbrennen ist deutlich weniger geworden. Dabei hilft für einen ersten Einstieg die Frage, was du mit der Krankheit unbewusst vermeidest oder bekommst. Hier könntest du dich beispielsweise fragen: Was will ich nicht mehr hören? Das mag auf den ersten Blick vielleicht lächerlich, oberflächlich und Zusammenhanglos klingen. Aber es fördert viel zu Tage. Und das ist immer gut – ganz egal ob es damit den Tinitus besser werden lässt. Wenn ich dich dabei unterstützen kann, gib Bescheid. Meine Kontaktdaten hast du ja. In dem Sinn: Gute Besserung!

  3. Markus Nicklas

    Gute Besserung und alles, was Du brauchst um auf dem Weg dahin, damit umgehen zu können.

  4. Regine

    Tinnitus hatte ich auch mal, ich schliesse mich Jan an, das hat mich auch sehr weitergebracht. Manchmal tritt es jetzt noch auf, ich sehe das immer als ein Zeichen, mal innezuhalten. Das ist meistens erstmal alles etwas langsamer zu machen. Mich mal hinsetzen und tief durchatmen. Nochmal in Ruhe überlegen, was ich im Moment eigtl will, was tatsächlich meine Priorität ist. Manchmal kommt dabei einfach nur das Bedürfnis nach einem Mittagsschlaf heraus.
    Schlaf ist ohnehin die beste Medizin 🙂
    Musikwissenschaftler in Tübingen haben übrigens herausgefunden, dass es in ca 70% der Fälle hilft, zu versuchen, den Ton des Tinnitus nachzusummen. Das bringt einerseits, dass Du Dich intensiv damit beschäftigst, also positiv darauf einlässt und ihm damit den vllt nötigen Raum gibst und die Konzentration auf Dich schaffst. Andererseits gibt es auch die These, dass durch das Nachsummen die Sinus-Welle aufgehoben wird und der Ton dadurch verschwindet.
    Nichts Genaues weiss man mal wieder nicht … jedenfalls gute Besserung aus Berlin 😀

Kommentare sind geschlossen.