Start ins Kommune-Leben – ein kleiner Zwischenbericht

Jetzt sind es tatsächlich schon 10 Wochen, die ich in Kommune lebe. Aber was heißt hier “schon”? Es ist in diesen Wochen so unglaublich viel passiert. In meinem früheren Leben, hätte ich wahrscheinlich Jahre für solch viele Erlebnisse gebraucht. Und dabei meine ich nicht einmal die “großen” Dinge, wie etwa dass ich nun eine selbständige Arbeit mit Büro und ersten Aufträgen gestartet habe. Es sind viele, viele Kleinigkeiten, die das Leben in dieser Kommune so vielfältig und abwechslungsreich machen.

So habe ich in diesen 10 Wochen doch tatsächlich schon viermal auf dem Gelände gekickt. Und damit meine ich Kicken in einem solchen Umfang, dass ich anschließend unbedingt duschen musste. Oder dass ich auf dem Treffen der Kommuja-Kommunen, das bei uns vor gut zwei Wochen stattfand, endlich mal wieder Auflegen konnte, und dabei durch das tanzwütigste Völkchen, für das ich je den DJ geben durfte, heute noch total happy an diesen Abend zurückdenke. Auch finde ich es total klasse, dass ich mich im Alltag so viel bewege, dass ich bei gleich gebliebenen Nahrungsmengen inzwischen gut 8 Kilo abgenommen habe. Vielleicht liegt das auch an dem einen oder anderen spontanen Kubb-Duell bei uns hinterm Haus.

Und trotzdem bin ich hier auf keinen Pony-Hof gezogen. Ich lebe jetzt mit über einem Dutzend für mich vorher fremden Menschen zusammen. Menschen mit Ecken und Kanten, Macken und Schrullen. Menschen mit denen ich die grundlegenden Dinge des Lebens abstimmen sollte. Noch will ich das auch meist. Auch wenn ich schon gemerkt habe, dass es einfach to much ist, wenn ich die Gruppe bei jedem Bisschen mit einbeziehen würde. Ich versuche gerade herauszufinden, wann ich vielleicht mal lieber selbst oder in Absprache mit einzelnen meiner MitkommunardInnen etwas entscheide, regele oder kläre, und wann etwas in jedem Fall als Tagesordnungspunkt oder Info ins Plenum gehört.

Ich habe aber auch schon festgestellt können, dass es mir total viel Kraft gibt, wenn ich Dinge die mich umtreiben, in der ganzen Gruppe besprechen konnte. Denn zumeist gibt es immer Aspekte, die ich nicht bedacht habe oder auf die ich einfach alleine nicht gekommen wäre. Solche Momente gab es für mich vor allem auf meinem mit Behörden und Formularen gespicktem Weg in die Selbständigkeit. Es tut einfach gut den Rückhalt einer Gruppe zu spüren.

Eine wirklich leidige Erfahrung habe ich bisher aber schon machen müssen: Wenn sich hier mal ein Virus oder ähnliches eingeschlichen hat, dann geht er auch konsequent seinen Weg durch die Reihen. Aber das kenne ich auch aus Bürogemeinschaften nicht anders. Zum Kotzen kann das aber trotzdem sein … im wahrsten Sinne des Wortes.

Kommentare

Gravatar of Karsten Sauer Karsten Sauer
schrieb am 18.06.2010 um 10:36 Uhr
 

Bin jetzt schon sehr gespannt auf den Jahresrückblick.

Gravatar of Sammelmappe Sammelmappe
schrieb am 21.06.2010 um 16:31 Uhr
 

Ich auch. Du hörst dich jedenfalls sehr glücklich und ausgeglichen an. Das ist ansteckend.

Gravatar of Zellmi Zellmi
schrieb am 21.06.2010 um 21:31 Uhr
 

Ein Jahresrückblick? Oh je, da muss ich wohl mal genauer Tagebuch führen.

Ich glaube nicht, dass ich wirklich ausgeglichener bin, aber ich habe das starke Gefühl selbstbestimmter mit den Dingen umgehen zu können, die mich aus dem Gleichgewicht bringen. Und es kommt mir alles irgendwie “sinnvoller” vor.

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