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Ein Rückfall in alte Verhaltensmuster

Letzte Woche ist das passiert, was mir meine Therapeuten prophezeit haben: Ich habe mich alten Verhaltensmustern hingegeben.

Ein solcher Rückfall wäre dann schlimm, wenn ich ihn mir erstens nicht eingestanden und zweitens nicht darauf reagiert hätte. Habe ich aber.

Im Prinzip sind mir zwei Sachen in die Quere gekommen, die meine sozialphobischen Muster reaktiviert haben. Zum einen hatte ich am Freitag zuvor eine Aufgabe in einem Projekt erledigt und habe aus Angst vor der Bewertung, nicht kommuniziert, dass das entsprechende Dokument auf dem Server bereitliegt; und zum anderen bin ich aus Angst vor einer ungeklärten, unangenehmen sozialen Situation, nicht mehr an meinen Arbeitsplatz ins Coworking-Büro gegangen.

Die Sache mit dem Dokument auf dem Server, ließ sich in einem kurzen Telefonat schnell und angenehm klären. Die Situation im Coworking war hingegen ein bisschen schwerwiegender.

Vor genau einer Woche lies ich es zu, dass eine unharmonische Situation mit einer auch im Coworking arbeitenden Person ungeklärt blieb. Da ich bis Mittwochabend ziemlich eingespannt war, konnte ich das Problem noch ganz gut ausblenden. Doch schon an dem Abend fingen meine Gedanken an zu kreisen. Am nächsten Morgen wollte ich nicht aufstehen. Eine Ausrede war auch sofort parat: Ich hatte Rückenschmerzen. Somit verbrachte ich den Tag in meinem Zimmer, mäßig gereinigt und mich im Internet versinkend. Abends konnte ich nicht einschlafen und sagte dann einen Termin mit der besagten Person am Freitagmorgen mit einer Ausrede … der Rücken … nachts um 1:30 per Mail ab. Geschlafen habe ich dann erst so gegen drei.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich noch schlechter; wollte wieder im Bett liegen bleiben. Doch dann fragte ich mich, was ich denn da gerade wieder machte? Stopp! Mir einen inneren Arschtritt versetzend, stand ich auf, ging ins Bad und kümmerte mich erst einmal ausgiebig um meine Körperpflege. Schon auch als Gegenpol zum Tag davor, und vor allem zu den Tagen Anfang des Jahres, als ich wochenlang depressiv in meinem Zimmer hauste.

Anschließend führte ich das oben beschriebene Telefonat, schrieb danach die Situation einer Freundin per Facebook-Message und erzählte sie dann noch meiner Mitbewohnerin. Hiernach frühstückte ich schön und fuhr anschließend doch ins Coworking. Dort suchte ich das Gespräch mit besagter Person und offenbarte ihr, dass ich nicht wegen der Rückenschmerzen nicht gekommen war, sondern, weil ich Angst vor der ungeklärten sozialen Situation hatte.

Ich war an diesem Tag dann richtig stolz auf mich. Durch den aufmerksamen Umgang mit mir und den in den letzten Monaten erlernten Fähigkeiten bezüglich meiner Angststörung, habe ich mich in relativ kurzer Zeit wieder selbst an den nicht vorhandenen Haaren aus dem Dreck gezogen.

Natürlich hatte ich im Vorfeld auch gerade vor solchen Rückfällen besonders Angst. Die letzten Wochen vor meiner Therapie, waren einfach zu traumatisch. Doch jetzt weiß ich, dass ich die Fähigkeiten habe, sie erstens selbst zu erkennen und zweitens auch aufzulösen. Ein gutes Gefühl, das mir wieder etwas mehr Sicherheit gibt … und die nimmt einem ja bekanntlich die Angst.

Kategorie(n):Sozialphobie

4 Kommentare

  1. Lieber Zellmi,

    Respekt! Respekt nicht nur dafür, dass Du die Situationen doch noch gemeistert hast – sondern auch, dass Du wieder einmal so offen darüber „sprichst“!

    Liebe Grüße

    Hubert

  2. .

    Man sagt ja immer, es sind die kleinen Schritte … das war schon ein sehr großer Schritt. Haste jut jemacht! 😉

  3. Markus Nicklas Markus Nicklas

    Klasse! Matthias, großartig. Und zudem anschaulich in allen Facetten beschrieben. Weiter so! Weiter so.

  4. Sehr gut … und danke für diesen Blick auf die „Innensicht“ der Angststörung.

Kommentare sind geschlossen.