Selbstwertgefühl

yeshecan

Ich bin weder Psychologe, noch Pädagoge oder sonst irgendein …oge. Doch auch ich mache mir so meine Gedanken. Ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt, dreht sich darum, was man jungen Menschen unbedingt mit auf ihren Lebensweg geben sollte, damit sie sich ein glückliches und zufriedenes Leben gestalten können. Und da komme ich immer wieder auf eines zurück, dass ich für besonders essenziell halte: Ein gesundes Selbstwertgefühl.

Nun habe ich gestern in der feministischen Frauenzeitung EMMA ein Interview mit Heidi Kastner gelesen. Die Psychiaterin war die vom Gericht bestellte Gutachterin im Fritzl-Prozess. Im Interview wird sie gefragt, ob es einen roten Faden bei den von ihr untersuchten Gewalt-Straftaten gibt. Sie bejaht dies, indem sie sagt:

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto deutlicher merke ich: Hinter den allermeisten Straftaten steckt ein Selbstwertproblem.

Und später fügt sie noch hinzu:

Es geht um Macht. Es geht darum, jemand Schwächeren unter sich zu fühlen. … Dieses Grundthema steckt in Konflikten am Arbeitsplatz, in Partnerschaften, und hinter den meisten Gewalttaten, die Eltern an ihren Kindern begehen.

Wenn ich Frau Kastner richtig verstehe, bezieht sie sich mit ihren Aussagen nicht mehr nur auf im Sinne der Gesetze verfolgungswürdigen Taten. Sie sieht darin ein allgemeines und grundlegendes Problem.

Doch wie gehen wir mit der Problematik in unserer Gesellschaft um? In den Schulen ist es wichtiger, dass die Kinder diese fachkompetent verlassen, als als gefestigte Personen, mit einem gesunden und sozialverträglichen Selbstwertgefühl. Die Politik fördert explizit Kleinfamilien, in denen Machtstrukturen manifestiert werden und bestehende Selbstwertprobleme nur all zu oft an deren schwächste Mitglieder weitergegeben werden.

Ich bin der Meinung, dass wir gut daran tun würden, wenn wir die einzelnen Elemente unserer Gesellschaft wieder etwas durchlässiger gestalten. Die Schwachen müssen die Chance haben, sich Verbündete suchen zu können. So sind zum Beispiel die Großeltern im Haus schon immer nur all zu oft wunderbare Verbündete von Kindern gewesen. Auch in den eigenen Alltag involvierte Nachbarn und Freunde können hilfreich sein, wenn die Machtstrukturen in einer Familie zu sehr ins Ungleichgewicht geraten.

Wir sollten es also unbedingt befördern, dass sich funktionierende und gut vernetzte Umfelder bilden und das in unserer Gesellschaft möglichst viel auf Augenhöhe passiert. Hierarchien und Machtstrukturen gilt es abzubauen bzw. zu minimieren. Und Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl tun diese automatisch deutlich stärker und sind zudem freier im Denken und damit kreativer und … wenn dies von der Gesellschaft wirklich gewünscht ist … auch produktiverer.

Lasst uns also das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Menschen stärken und wir stärken unser Gesellschaft.


Das Foto oben stammt vom Thomas Helbig alias teliko82 auf Flickr

Ein Gedanke zu „Selbstwertgefühl“

  1. Tausend Dank für diesen wichtigen Artikel. Stimme dir voll und ganz zu. Ein gesunder Selbstwert ist auch für mich das A und O eines Menschen, der aktiv, gestaltend, glücklich und glücklich machend durch die Welt gehen kann. Mit das Wichtigste was man seinen Kindern mitgeben muss „Egal was du machst und woher du kommst: Du bist etwas wert, ohne dass du dies beweisen musst! Mit all deine Stärken und Schwächen!“

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