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Mit den Piraten zur modernen Polis?

»Lass mich dein Pirat sein« … sang Nena in den 1980ern. Heute wollen alle Pirat sein. Na ja, ich weiß, dass ist eine unzulässige Zuspitzung, aber Pirat zu sein, das ist in der Gesellschaft angekommen. Doch was bedeutet es?

Als sehr web-affiner Mensch sind mir die Piraten schon länger ein Begriff. Ich kenne sogar einige Piraten der ersten Stunde. Doch als ein an politischen Inhalten sehr interessiert Mensch, konnte ich mit den Piraten damals nicht viel anfangen … zu viel Internet, zu wenig Rest. Auch tue ich mich schwer, mich politisch einer Partei zuzuordnen. Aber einer politischen Richtung ordne ich mich schon zu: nämlich links. Wahrscheinlich sogar ziemlich links. Da waren mir die Piraten von Anfang an zu wenig greifbar. Also bin ich kein Pirat?

Inzwischen ist die Piratenpartei auch schon als Thema in unserer Kommune angekommen. Das heißt, einige diskutieren hier hin und wieder am Tisch über dieses Phänomen. Da wurde mir auch schon die Frage gestellt, ob ich denn ein Pirat sei, so wegen diesem ganzen Internet … und so. Vielleicht … vielleicht auch nicht. Ein Wähler der Piratenpartei bin ich allerdings bisher noch nicht.

Allerdings gibt es eins, was mich an den Piraten fasziniert … wenn auch weniger an der Piratenpartei: Piraten scheinen, ob bewusst oder unbewusst, eine der ältesten Formen der Demokratie den Weg zurück in die heutige Zeit zu ebnen: der antiken Polis. In der Wikipedia liest mensch dazu:

Als Polis (altgriechisch πόλις pólis ‚Stadt, Staat‘; Plural Poleis von πόλεις póleis) wird gewöhnlich der antike griechische Stadtstaat als städtischer Siedlungskern Stadt (ἂστυ asty) mit einem dazugehörigen Umland (χώρα chōra), dessen Bewohner rechtlich nicht von den Einwohnern des urbanen Zentrums unterschieden waren, bezeichnet. Die typische Polis war eine Bürgergemeinde bzw. ein Personenverband und definierte sich nicht primär über ihr Territorium, sondern über ihre Mitglieder.

Und da sind wir auch schon recht schnell bei Hannah Arendt. In einem Porträt auf der Website des Goethe-Instituts steht über sie zu lesen:

[1958] veröffentlicht Arendt […] ihr wichtigstes politikphilosophisches Werk »Vita activa oder vom tätigen Leben«. Darin kritisiert sie die moderne Gesellschaft, in der die Ökonomie zunehmend die Politik dominiert. […] In einer Zeit, als man in allen wichtigen politischen Lagern die Demokratie als sozial breitere Legitimation politischer Herrschaft verstand, orientiert sie sich an der antiken Polis, an der die einzelnen Bürger aktiv partizipierten. Politik versteht sie als Kommunikation unter den Bürgern über die öffentlichen Angelegenheiten.

Politik als Kommunikation unter den Bürgern und Bürgerinnen über öffentlichen Angelegenheiten.

Sehe nur ich da einen deutlichen Zusammenhang? Mischen die Piraten unsere etablierte repräsentative Parteiendemokratie gerade auch deshalb so schön auf, weil sie nicht nur den Anspruch auf Basisdemokratie haben, wie es die Grünen in den 1980ern auch hatten, sondern mit dem Internet auch das Werkzeug, um so etwas wie eine moderne Polis zu schaffen?

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Kategorie(n):Gesellschaft

Ein Kommentar

  1. Judith Judith

    Schade ewig nichts Neues von Zellmi!
    Dabei seid Ihr zwei doch meine Tagtraum- Alternative.
    Komune mit allem wenn und aber, nicht alternativlos sondern als gelebte Wirklichkeit.

Kommentare sind geschlossen.