Unser Kommune-Projekt … Rückblick, Stand heute, Ausblick

Seit vergangenem Dienstag ist es nun auch zu 100% sicher, dass Natali und ich im April in die Kommune Waltershausen (KoWa) ziehen werden, um dort zunächst mal für ein halbes Jahr auf Probe zu leben. Zuvor waren wir uns zwar auch sehr sicher, dass das klappen wird, aber am Dienstag wurden unsere Probezeitanträge nun auch im KoWa-Plenum hochoffiziell abgesegnet.

Rückblick

Die Schwester meines Vaters lebt seit über 20 Jahren in einer Kommune in Niederkaufungen bei Kassel. Daher kenne ich das Konzept schon sehr lange. Und als sich vor ein paar Jahren Natalis und meine Studienzeit dem Ende zuneigte, hatten wir fest vor, dort in die Kommune einzusteigen. Ein paar unvorhersehbare Umstände, etwas Angst vor der eigenen Courage und ein unbestechliches Bauchgefühl haben uns damals davon absehen lassen. Mit anderen Kommunen hatten wir uns damals nicht beschäftigt und somit sind wir dann auch erst einmal in trauter Zweisamkeit in die Stuttgarter Ecke gezogen, haben ein doppeltes Einkommen ohne Kinder erwirtschaftet und IKEA halb leer gekauft.

Vergangenes Jahr an Pfingsten sind wir durch glückliche Umstände auf dem Kommunen-Treffen Los geht’s gelandet und hatten beide sofort wieder ein gutes Gefühl. Wir lernten dort einige Menschen und Gruppen kennen und starteten in den kommenden Monaten eine Besuchsserie in mehreren Kommunen. Doch seit Herbst vergangenen Jahres, haben wir uns dann auf die KoWa fokussiert. Die Gruppe dort hat mit um die 15 Menschen eine zum Ankommen angenehme Größe, die alte Puppenfabrik und das Grundstück drumherum sind toll und das seit 2003 bestehende Projekt ist nicht mehr ganz am Anfang, aber es gibt noch viel (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem haben wir uns dort vom ersten Tag an sehr willkommen und wohl gefühlt. Auch orientieren sich die Grundwerte dort an denen der Kommune Niederkaufungen, die für uns somit zum einen nicht neu sind und zum anderen auch so, wie wir sie gut finden.

Stand heute

Nach einigen Besuchen und einem von der Gruppe vorgegebenen Prozedere mit Probezeitanträgen und einigen Gesprächen, wird es nun bald losgehen. Bei mir auf der Arbeit ist Ende März Schluss und die Wohnung hier in Schwaikheim ist für Ende April gekündigt. Das heißt, wir werden im April umziehen. Die erste, kleine Wagenladung an Sachen ist von uns schon vergangenes Wochenende gen Thüringen gebracht worden und Natali ist derzeit auch noch dort und hilft schon mal bisschen beim Renovieren eines Zimmers, welches wir dann auch erst einmal beziehen werden. Wenn es klappt, werden wir noch einen zweiten Raum dazu bekommen, so dass wir vielleicht schon von Anfang an einen Wohn-/Schlafraum und einen Arbeits-/Lagerraum haben werden. In den kommenden Wochen und Monaten soll dann ein bisher noch brachliegender Gebäudeteil ausgebaut werden, so dass wir dann hoffentlich bald alle beide ein richtig eigenes Zimmer bekommen werden.

Ausblick

In gut vier Wochen geht es dann richtig los. Erst steht dann mal der Umzug an. Davor graut es mir am meisten. Ich schätze mal, dass IKEA nicht bereit ist, die Sachen einfach wieder abzuholen. Vor allem die Küche macht mir noch ein bisschen Bauchschmerzen. Meine Mutter, die in Mittelhessen lebt, hat zwar Interesse angemeldet, aber am allerliebsten wäre es mir, wenn sich bald Nachmieter finden würden, die dann auch die Küche übernehmen würden.

Wenn wir dann in der KoWa mit Sack und Pack angekommen sind, werden wir uns wohl erst einmal ein paar Tage/Wochen gönnen, um dort auch vom Kopf her anzukommen. Es wird dann auch gelten, sich in die alltäglichen Arbeitsabläufe einzugliedern und unsere eigenen Zuständigkeiten und Aufgaben zu finden.

Trotzdem werde ich versuchen recht zeitnah ein Gewerbe anzumelden und mich zudem nach Fördergeldern und -möglichkeiten umzusehen. Ich möchte dann in Zukunft weiterhin als Web-Kreativer betätigen, nur dann eben auf selbstständiger Basis. Aber trotz dieser Selbständigkeit, hoffe ich es vermeiden zu können, dass ich von meinen Tätigkeiten wieder zu eingleisig werden. Ich möchte in Zukunft auch regelmäßig mal was „mit meinen Händen“ arbeiten und schaffe es hoffentlich auch mal wieder auf eine Bühne, um dort die Gesellschaft und die Politik kabarettistisch zu betreuen. Doch wie mir glaubhaft vermittelt wurde, ist es nicht unüblich, dass Menschen, die in die Kommune einsteigen, meisten viel mehr Ideen, Träume und Wünsche mitbringen, als im Endeffekt an Zeit zum Umsetzen da ist.

Was ich mir aber fest vorgenommen habe: Ich möchte meinen Einstieg, und dann hoffentlich meinen Alltag in der Kommune, hier auch weiterhin ein bisschen dokumentieren. Hierbei gilt es sicherlich ein gutes Maß zu finden, dass ich zum einen die Privatsphäre meiner MitkommunardInnen vollkommen und uneingeschränkt respektiere und auch keine vertraulichen Interna ausplaudere, aber zum anderen doch auch einen authentischen und möglichst ganzheitlichen Eindruck skizzieren kann.

Tja, Leute … unsere Zeit im Schwabenländle neigt sich nun definitiv dem Ende zu. Es gibt mir aber ein gutes Gefühl, dass ich hier hauptsächlich Menschen kennengelernt habe, die es ziemlich gut drauf haben, digital zu kommunizieren. So dass es sicherlich möglich ist, die eine oder andere Freundschaft aufrecht zu erhalten. Außerdem freuen wir uns auf viele Besuche. Ist echt eine schöne Ecke dort, die viel zu bieten hat. Das war jetzt definitiv eine Einladung 😉

14 Gedanken zu „Unser Kommune-Projekt … Rückblick, Stand heute, Ausblick“

  1. Hey, schön, dass das jetzt alles in trockenen Tüchern ist. Ich freu‘ mich sehr auf Euch. Schade, dass wir uns jetzt warscheinlich verpassen werden. Aber ab April werden wir dann ja viel Zeit miteinander haben.

  2. @Paula: Gerade Du musst unbedingt vorbeikommen. Ich weiß nicht, ob wir jetzt in die KoWa ziehen würden, wenn du uns nicht motiviert hättest, gemeinsam zum Los geht’s zu gehen.

    @Max: Wenn ich da mal nicht sehr erfreuliches raushöre, oder?! 🙂 Ich freu mich in jedem Fall auch sehr.

  3. Hi Zellmi, klingt alles sehr aufregend. Auch wenn das nichts für mich wäre. 😉 Wünsche euch viel Spass, Zufriedenheit und persönlichen Erfolg. Oli, der in Giessen in der WG über Dir gewohnt hat.

  4. Arbeitet man dann in der Kommune intern (Feld, Werkstatt…) oder hat man weiter einen ganz normalen Bürojob zu dem man jeden tag geht und lebt quasi nur in einer großen WG?

  5. @Zumix: Wo und wie ein Mensch in der KoWa arbeitet ist nicht festgelegt. Jede Person soll etwas zum Gelingen bzw. Auskommen der Gruppe und des Projekts beitragen. Das kann der angesprochene Bürojob sein, das kann auch eine interne berufliche Tätigkeit sein, das kann aber auch eine so genannte reproduktive Tätigkeit sein, die dabei hilft, weniger Ausgaben zu haben.

    Eine Kommune ist deutlich mehr als eine große WG. Gerade die gemeinsame Ökonomie (alles geht in einen Topf, alles kommt aus einem Topf) oder das Konsensprinzip machen so eine Leben in einer Kommune schon zu einer recht verbindlichen Angelegenheit.

    1. Ich nehme mal an, du meinst damit die Arbeit mit der ich Geld verdienen werde. Mein Plan ist es mich als Web-Architekt selbstständig zu machen. Aber vielleicht fallen mir noch eine paar andere web-basierte Betätigungsfelder ein, wie z.B. bloggen oder ein ganz eigenes Web-Projekt.

  6. …habs leider nicht mehr geschafft vorbeizukommen, um Tschüss zu sagen.
    Hört sich auf jeden Fall spannend an und ich wünsche Euch alles Gute und dass es so wird wie Ihr es Euch vorstellt.
    Grüße und vielleicht bis bald mal 😉

    1. Ja schade, dass das nicht mehr geklappt hat. Gerade gestern gab es z.B. sehr leckeren Kuchen. Für uns wird es nun wirklich spannend. Wir freuen uns schon wirklich sehr. Jetzt wird erst mal ausgemistet, der Rest zusammengepackt und dann geht es nach Ostern gen Osten. Wie es aber aussieht, werde ich wohl ab und an mal was in Stuttgart zu tun haben. Vielleicht klappt es ja dann nochmal mit einem Treffen…

  7. Der April ist ja nun da und Euer Umzug in greifbarer Nähe. Ich wünsche Euch alles Gute und verfolge hier gespannt, wie es weitergeht.

    Die Kommune Niederkaufungen kenn ich im übrigen auch. Noch von meiner Zeit in Kassel.. 🙂

    1. Stimmt genau! Wir sind schon fleißig am Packen. Mitte nächster Woche ist es endlich so weit: Wir ziehen in eine Kommune! Vor einem Jahr hätte ich das noch nicht für möglich gehalten…

  8. Ich bin sehr gespannt auf deine neuen Bericht. Meine Freundin und ich wollen eine Kommune gründen, haben aber keine Erfahrung damit. (Es steht ein Dreiseitenhof zur Verfügung) Deshalb sind deine Berichte sehr wichtig für uns. Wie fühlt man sich innerhalb solch einer Gemeinschaft… wie ist der ,,Alltag“ usw. ? Deine Ängste und der Weg dahin kann ich gut nachvollziehen.

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