Jedem Ende wohnt ein Anfang inne…

… so soll zumindest Herrmann Hesse einst gesagt haben. Und ich hoffe er hatte recht damit; denn Natali und ich haben uns entschieden, wieder aus der Kommune auszusteigen.

Den Anderen hier haben wir es vergangenen Dienstag gesagt, und in den letzten Tagen habe ich einige Freunden und Verwandten eingeweiht. Hinzu kamen viel und zum Teil sehr lange Gespräche mit meinen MitbewohnerInnen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ihre Reaktionen eine weite Bandbreite aufwiesen; von Trauer und Wut bis hin zu Verständnis und Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte und gestaltete Zeit.

Derzeit möchte ich zu den Gründen unseres bevorstehenden Ausstiegs nur sagen, dass es weniger das Große und Ganze ist, was uns nicht mehr an eine Zukunft hier in der KoWa glauben lässt. Es ist eher eine Mixtur aus vielen Details, Auslegungssachen und zum Teil auch nur aus Kleinigkeiten, die sich im Alltag jedoch immer wieder aufschaukeln oder anhäufen.

Derzeit habe ich jedoch das Gefühl, dass wir hier im Guten gehen werden können. Ob es dann auch gut war, wieder zu gehen, wird sich mit der Zeit zeigen. Da wir noch nicht wissen, ob für uns das Thema Gemeinschaft grundsätzlich vom Tisch ist, oder ob wir uns an diesem Punkt erst einmal lediglich von dieser einen Gemeinschaft verabschieden, werden wir nun fürs Erste wieder in ein recht „bürgerliches“ Leben zurückkehren. Dort gilt es dann zu reflektieren und überlegen, wie es mit uns dauerhaft weitergehen soll.

Dazu werde ich mich zunächst auf die Suche nach einer Festanstellung als Informationsarchitekt machen, vorzugsweise in Hessen. Das Rheinland oder das Ruhrgebiet sind durchaus aber auch denkbar. Ich hoffe, mir die Stelle auch ein bisschen danach aussuchen zu können, dass sie nicht all zu weit von einem guten Ort entfernt ist, an dem Natali ihre weiter Töpferei aufziehen kann. Alles weitere werden wir dann sehen. Der Zeitraum in dem das alles von statten gehen soll bzw. muss, ist noch nicht abgesteckt, aber derzeit gehe ich davon aus, dass wir in diesem Herbst noch umziehen werden.

Für fast alle, mit denen ich in der Zwischenzeit kommuniziert habe, kam das sehr überraschend. Sicher auch, weil ich auch mir selbst gegenüber, lange nicht wirklich eingestehen konnte, dass dieser Traum platzen könnte. Als ich diese Erkenntnis dann vor nicht all zu langer Zeit an mich rangelassen habe, ging dies gleich auch einher mit Selbsterkenntnis, dass ich wieder aus der KoWa aussteigen möchte. Und da auch Natali diesen Wunsch zu großen Teilen mittragen konnte, ist unsere Entscheidung dann auch recht postwendend gefallen.

Jetzt habe ich mich mit wahrlich sehr gemischten Gefühlen rumzuschlagen. Jedoch herrscht vor allem das Gefühl der Erleichterung vor … und das das Richtige zu tun. Hoffentlich ist es auch so. Drückt uns die Daumen…

14 Gedanken zu „Jedem Ende wohnt ein Anfang inne…“

  1. Ihr habt’s versucht. Das war sicher wichtig. Jetzt wieder auszusteigen, ist keine Niederlage, sondern einfach der nächste Schritt. Leben geht weiter. Viel Spaß!

  2. Das ist tatsächlich überraschend. Ihr wirktet als hättet Ihr genau das richtige gemacht. Ich drücke alle Daumen für den Wiedereinstieg in die „Spießigkeit“.

  3. Zellmi, ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft! War ’ne spannende Sache. Hab deine Berichte gern verfolgt.

    Schade, dass ihr nicht nach Stuttgart zurück kommt!

  4. Alles hat seinen Grund. mancher erschliesst sich nur viel später. freut euch auf den nächsten Abschnitt in eurem Leben!

  5. Lieber Zellmi, ich wünsche Natali und Dir alles Gute, egal wohin es euch verschlägt! Und ich danke Dir, dass Du uns an diesem Projekt hast teilhaben lassen!

  6. Und dabei habe ich es noch nicht mal geschafft, euch in Waltershausen besuchen zu kommen… Euch wünsche ich aber auf eurem weiteren Lebensweg alles Gute, folgt euren Gefühlen, dann wird alles gut 🙂

  7. Der Weg bis hin zur Entscheidung ist lang, steinig und alles andere als schön, doch danach fühlt man sich meist erleichtert und kann wieder nach vorne kucken!

    Viel Glück Euch zwei =)

  8. Ich find das gut, dass ihr das probiert habt und es wird sich was Neues auftun, was passt. Du hast mir ein paar gute Gedanken verschafft, indem du drüber berichtet hast.

  9. Hi Zellmi,

    zu schade, dass das Projekt für Euch keine „Endstation“ war…aber vielleicht ist der Weg (auch im Leben) ja das Ziel.

    Alles Gute weiterhin!
    Andreas

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