Besuch der Kommune Niederkaufungen

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Von Sonntag Abend bis Freitag Nachmittag der vergangenen Wochen haben Natali und ich die Kommune in Niederkaufungen bei Kassel besucht. Das Ganze nannte sich Kennenlernwoche und eine solche findet dort recht regelmäßig alle 1-2 Monate statt. Sie dient zum einen den Menschen, die schauen wollen, ob sie in einer bzw. dieser Gemeinschaft leben wollen, zum anderen aber auch den Kommunardinnen und Kommunarden in Niederkaufungen, um diese Menschen besser kennenlernen zu können.

Leider habe ich nur Montag und Dienstag so richtig mitarbeiten können, da ich mir einen heftigen Sonnenstich eingefangen habe und den kompletten Mittwoch auf unserem Zimmer in der Kommune-Gästewohnung und dort im Bett verbringen musste. Donnerstag hab ich mich dann zwar wieder unters Volk mischen können, doch hat man mich nichts arbeiten lassen. Was allerdings sehr interessant, aber auch informativ war. Ich habe mir einiges der umfangreichen schriftlichen Kommunikation durchgelesen, die dort immer am Schwarzen Brett ausgehängt ist und zur Entscheidungsfindung beiträgt. Die Entscheidungen werden in dieser, wie in vielen anderen Kommunen nach dem Konsensprinzip getroffen. Die Entscheidungsfindung wird damit nicht unbedingt einfacher, aber dafür gerecht und die durch einen solch intensiven Prozess gegangen Entscheidungen sind nachhaltiger und oftmals auch besser, weil durchdachter.

Neben dem Lesen von allerhand Papieren und Dokumenten, habe ich aber auch viele nette kürzere oder längere Gespräche führen können. Zum Anfang der Woche auch bei der Arbeit, wie zum Beispiel mit einer Kommunardin, die derzeit in der Probezeit ist. Wir haben auf einer Weide den Zaun ausgebessert, der in einem Bachlauf von einigen herab fallenden Ästen und umgefallenen Bäumen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Für mich als Kind von Dorf und jetzigen Im-Büro-Arbeiter eine tolle Abwechslung. Ein weiteres Kontrastprogramm war es für mich einen Tag auf dem Dach eines etwas größeren Schuppens zu verbringen und den diesen komplett überwuchernden wilden Wein herunter zu scheiden. Leider habe ich mir zu spät eine Mütze besorgt und so erst gar nicht bemerkt, dass die September-Sonne doch noch ganz schön Power hat.

Dort in der Kommune krank zu sein, hatte als Erfahrung aber auch sein Gutes. Wenn ich krank bin, will ich normalerweise immer nur eins: Heim in mein Bett und dort jammernd leiden. Dass ich es dort aber auch krank ganz gut aushalten konnte … natürlich mit der immer wieder nach mit sehenden und mich mit Tee und Zwieback versorgenden Natali an meiner Seite … diese Erkenntnis fand ich durchaus als sehr wertvoll.

Doch besonders eine Frage stellt sich mir derzeit nachhaltig, bei der ich jetzt noch nicht weiß, wie ich schlussendlich damit umgehen kann und will. In der Kommune ist derzeit die Nutzung von Handys und WLANs in den Gebäuden per Konsensbeschluss untersagt. Ich habe viel darüber nachgedacht und bin aktuell der Meinung, dass ich damit klarkommen kann. Ich würde meinen IT-Arbeitsbereich schon irgendwie danach gestalten können. Viel mehr mach ich mir Gedanken darüber, wie es der Kommune in Niederkaufungen gelingen kann, diesbezüglich einen zukunftsfähigen Kompromiss zwischen den Chancen der IT-Nutzung und einer Minimierung der Strahlenbelastung hin zu bekommen. Aber vielleicht braucht es dort auch gerade wegen solcher Fragen einen Menschen wie mich, der ihnen die Vorzüge einer web-basierten Gesellschaft vorlebt. Und vielleicht kann auch ich bei meinen konzeptionellen Überlegungen zur Gestaltung von Webseiten, auf die kritischen Sichtweisen einiger Kommunardinnen und Kommunarden zurückgreifen.

Trotz meinen Problemen mit den Strahlungen verschiedenster Art, habe ich mich in dieser Woche recht wohl gefühlt und gemerkt, dass ich deutlich entspannter an die ganze Kommunen-Geschichte herangehe, als bei unserem ersten Anlauf, den wir vor gut dreieinhalb Jahren erst einmal abgebrochen haben. Ich will jetzt nicht mehr ewig weiter Theoritisieren und Abwägen, sondern bin der Meinung, dass alle Fragen, die jetzt noch zu beantworten sind, nur durch wirkliches Leben, Arbeiten und Wirken in einer Kommune geklärt werden können. Derzeit überlegen Natali und ich nur noch, welche Gemeinschaft denn wohl die passendste für uns ist. Die Würfel sind zwar gefallen, trudeln aber noch …

4 Gedanken zu „Besuch der Kommune Niederkaufungen“

  1. Viel Erfolg bei Eurem Projekt und bei Deiner Mission, das Web in die Kommune zu bringen. Nach dem Barcamp kam mir die Idee:
    Wie toll wäre es, wenn eine Kommune mich nicht lokal binden würde, sondern im wesentlichen webbasiert wäre?
    Gemeinsamer Haushalt, Entscheidungsfindung und Kommunikation sind über das Web kein Problem. Natürlich fällt der Vorteil der Kostenersparrnis durch gemeinsames Wirtschaften und Wohnen weg. Und das schönste, das gemeinsame Leben, fehlt.
    Aber es könnte ja kleine „Zellen“ der Kommune an verschiedenen Orten geben, wo doch wieder mehr als 2 Menschen zusammenleben.
    Auf diese Weise könnten sich an einem Ort auch nur ein halbes Dutzend Menschen zusammenfinden, um in einer Kommune zu leben, die aber in einer größeren, webbasierten Kommune vernetzt ist.
    Man wäre auch nicht an einen Ort gebunden, um trotzdem Mitglied der Kommune zu bleiben.

  2. Mir würde bei deiner Idee der zentrale Punkt des Zusammenlebens fehlen. Doch im Prinzip ist es meiner Meinung nach immer eine gute Sache, wenn sich Menschen zusammentun … virtuell oder real … zusammentun, um sich gegenseitig zu stützen und die individuellen Lebensrisiken abzufedern.

    Bei einigen KommunardInnen gibt es auch Überlegungen, ob man nicht eine mehrere Kommunen übergreifende Altersversorgung aufbauen sollte. Oder sogar eine gemeinsame Ökonomie.

    Das alles zeigt, dass es bei den Ideen prinzipiell keine Einschränkungen gibt. Solange sich Menschen finden, die gemeinsam an etwas glauben und diese Sache dann auch gemeinsam angehen.

    1. Ja, ich habe sogar in den letzten Tagen mal hier in der KoWa Menschen über diese Berliner Antifaschistische Stadtkommune sprechen hören. Falls es uns irgendwann mal hier auf dem Land langweilig werden sollte, dann ist das ja vielleicht eine Alternative.

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