„Urlaub in unserer Zukunft?“ oder „Ob sich ein Traum leben lässt?“

kowa_wohnhaus

In den letzten Stunden des Jahres 2008 haben Natali und ich uns für das neue Jahr vorgenommen, uns zu entscheiden. Wir wollten uns entscheiden, wo die Reise unserer Lebens hin gehen soll. Schließlich wurde Natali in diesem Jahr 30 und ich werde im kommenden 40 Jahre alt. Da kann man schon mal langsam anfangen etwas verbindlichere Zukunftspläne zu machen.

Wir hatten einige Optionen im Angebot. Dazu gehörte sogar das von Natalis Mutter vorgeschlagene Auswandern nach Irland. Auch haben wir ernsthaft überlegt, ein altes Haus zu kaufen, um es aufzumöbeln. Natali reizte daran, sich handwerklich austoben zu können. Ich freute mich eher auf den Garten und die Gartenarbeit. Gar nicht mehr so richtig auf der Rechnung hatten wir unsere frühere Idee von einem Leben in Gemeinschaft. Diese Idee erneuerte sich er nach dem Besuch beim Los geht’s 2009.

Nachdem die Idee vom Leben in einer Kommune bei uns noch vor einem Jahr fast völlig vom Tisch war, ist sie heute aktueller denn je. In der Folge des Los geht’s haben wir insgesamt drei Kommunen besucht. Die erste … die Kommune Hof Rossee … liegt zwischen Kiel und Flensburg, also dort, wo wir gerne Urlaub machen. Auch waren wir mal wieder in der Kommune Niederkaufungen und damit in der Kommune, in die wir 2006 schon fast einmal eingezogen wären. Die dritte Kommune, die wir besuchten, war die KoWa in Waltershausen. Nach einem gemeinsamen Schnupperwochenende Ende August und Natalis Erntehilfe vor ein paar Wochen, waren wir die vergangene Woche wieder dort. Und um es vorweg zu nehmen: Wir wären am Liebsten direkt dort geblieben.

Waltershausen liegt in Thüringen, ganz grob zwischen Erfurt und der Grenze zu Hessen. Also gar nicht mal so weit von meiner alten Heimat entfernt. Die beiden Hauptsehenswürdigkeiten sind das Schloss Tenneberg und die Stadtkirche, die als Vorläuferin der Dresdner Frauenkirche gilt. Ein weiteres unter Denkmalschutz stehendes Gebäude im etwas mehr als 10.000 Einwohner zählenden Waltershausen ist die Puppenfabrik. Und genau dort findet man seit 2003 die Kommune Waltershausen.

In der KoWa leben derzeit 16 Menschen, darunter ein Dauergast, vier Kinder und drei Menschen in Probezeit. Und letzteres streben wir für das kommende Jahr auch an. Wir wollen dort gerne eine Zeit lang auf Probe leben. Dieses halbe Jahr wäre für uns eine Zeit, in der wir hoffentlich heraus finden können, ob das Leben in einer Gemeinschaft für uns dauerhaft geeignet ist und ob wir dann dort ganz einsteigen möchten. Wir können in dieser Zeit erproben, ob wir Entscheidungen, die die Gruppe betreffen, immer im Konsens treffen können? Sehen, ob wir damit klar kommen, kein eigenes Vermögen aufzubauen und bei allem eine Nummer größer zu denken? Herausfinden, ob es nervig ist, in WG-artigen Wohnungen zu leben. Auch ist zu klären: Kommt man mit den anderen Leuten in der Kommune klar? Jeweils persönlich oder auch mit der gesamten Gruppe. Erkenne ich immer meine eigenen Bedürfnisse und kann ich sie in ein gesundes Verhältnis zu den Bedürfnissen der anderen KommunardInnen und der gesamten Gruppe stellen? Und nicht zuletzt müssen Natali und ich erproben, ob wir sowohl als Paar, als auch als Individuen in der Gemeinschaft ankommen und sein können.

Diese und weitere Überlegungen würden mich wohl auch über eine „erfolgreiche“ Probezeit hinaus begleiten. Doch ist da noch mehr. Vor allem ist da die Chance, ein Leben zu führen, das unsere Vorstellung von dem, was Arbeit ist und was nicht, in ein ganz anderes Licht taucht. Ein Leben, das das „Konzept Chef“ aus gutem Grund nicht vorsieht und das zum Beispiel die Arbeit im und am Haus und die Erwerbsarbeit in ihrer Akzeptanz gleich stellt … sowie auch die Arbeit für den Erhalt der Gruppe. Einer Gruppe, in der Probleme und Befindlichkeiten gemeinschaftlich und zur Zufriedenheit Aller gelöst werden müssen, die dazu aber auch wirklich die notwendige Zeit und Ressourcen investiert.

Leben in einer Kommune ist also vor allem mit Umdenken verbunden. Und da freue ich mich drauf, denn der gerade Weg war mir schon immer zu beschwerlich.